Arbeitskampf der GDL : Der nächste Streik bei der Bahn wird lang

„Nun denn - diesmal wird es richtig lang“, schreibt die Gewerkschaft GDL. Das Angebot der Bahn lehnt sie ab.

shz.de von
01. Mai 2015, 14:45 Uhr

Frankfurt/Main | Reisenden und Pendlern drohen erneut Behinderungen im Bahnverkehr. Die Lokführergewerkschaft GDL wies am Donnerstag ein neues Tarifangebot des Unternehmens zurück und stellte einen weiteren Arbeitskampf in Aussicht. „Nun denn - diesmal wird es richtig lang“, hieß es in einer auf der GDL-Homepage veröffentlichten Stellungnahme. Wann genau gestreikt werden soll, teilt die Gewerkschaft nicht mit.

Der Tarifstreit bei der Bahn dauert schon Monate, bislang hat die GDL sieben Mal den Güter- oder Personenverkehr bestreikt. Der Konflikt ist so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Beide wollen zum Teil für dieselben Berufsgruppen verhandeln. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen.

Die Bahn hatte am Mittwoch offeriert, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni.

In der im Internet veröffentlichten Mitteilung bewertete die GDL das Angebot als unzureichend. Für 24 Monate würde lediglich eine Entgelterhöhung von rund drei Prozent wirksam. Die Gewerkschaft bezeichnete die Vorschläge der Unternehmensführung als „Dreistigkeiten“. Sie kritisierte, es gebe unter anderem weiterhin keine Angebote zur Absenkung der Arbeitszeit, zur Begrenzung von Überstunden sowie zur Belastungssenkung für das Zugpersonal. Außerdem wolle die Firma am „Zwei-Klassen-Lokomotivführer“ festhalten und Lokrangierführer schlechter bezahlen.

Die DB-Sprecherin wies am Freitag den Vorwurf der GDL zurück, die DB habe keine Angebote zur Entlastung gemacht: „Wir haben der GDL dazu einiges angeboten, zum Beispiel durch zusätzliche Einstellungen von 300 Lokführern oder durch Individuelle Arbeitszeit- und Schichtplangestaltung.“ Von der GDL habe das Unternehmen dazu bisher nichts gehört. „Wir haben noch keine Minute über höhere Löhne verhandelt“, sagte die Bahn-Sprecherin. Ein Lohnplus von 4,7 Prozent in zwei Stufen sei sonst das Ergebnis von Verhandlungen. Daher sei die offensichtliche Verweigerung der GDL nicht nachzuvollziehen. „Auch zur Entlastung von Arbeitnehmern und zum Lokrangierführer liegen Vorschläge auf dem Tisch.“ Sollte die GDL nicht wieder verhandeln, spricht sich die DB für eine Schlichtung aus. Die Gewerkschaft wirft der Bahn vor, auf Zeit zu spielen.

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Sie hatte zuletzt in der vergangenen Woche im Personen- und Güterverkehr gestreikt. Den Knackpunkt in den Tarifverhandlungen sieht die GDL bei der Einstufung der Lokrangierführer im Tarifgefüge der Bahn.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte gesagt, sollte die GDL die Wiederaufnahme von Verhandlungen ablehnen, schlage die Bahn ein Schlichtungsverfahren über alle Punkte vor. Die Gewerkschaft wirft der Bahn vor, auf Zeit zu spielen.

Die EVG schloss am Mittwoch ihrerseits Streiks ausdrücklich nicht aus. Anlass war ein neues Angebot der Bahn für Service- und Sicherheitskräfte: 4,7 Prozent mehr Geld in zwei Stufen bei einer Laufzeit von 29 Monaten, wie die Gewerkschaft mitteilte. Die EVG fordert 6 Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr Lohn und Gehalt. Sie kritisierte, die Bahn biete unterschiedliche Laufzeiten für verschiedene Berufsgruppen. Bei der nächsten Verhandlungsrunde am 12. Mai müsse die Bahn nachbessern.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen