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Wirtschaft

23. August 2017 | 23:50 Uhr

Der letzte Patriarch

vom

Berthold Beitz wurde 99 Jahre alt / Politik und Wirtschaft würdigen ihn als prägende Persönlichkeit für Industrie und Gesellschaft während des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg

Essen/Kiel | Berthold Beitz, einer der letzten großen Industriemanager des deutschen Wirtschaftswunders, ist tot. Der Ehrenvorsitzende des ThyssenKrupp-Aufsichtsrats und jahrzehntelange Chef der einflussreichen Krupp-Stiftung starb bereits am Dienstag, wie der Dax-Konzern und die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gestern in Essen mitteilten. "Für alle, die ihn kannten, ist dies ein unersetzlicher Verlust", sagte der Vize-Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, Reimar Lüst. Der legendäre Wirtschaftsführer wurde 99 Jahre alt.

Wie es hieß, ist Beitz in seinem Ferienhaus in Kampen auf Sylt friedlich eingeschlafen. Der Industriekapitän war dem Norden über viele Jahre verbunden. Zuletzt hatte er im Juli auf der stiftungseigenen Segeljacht "Germania VI" an der Kieler Woche teil genommen. Seit 2004 war er Ehrenbürger der schleswig-holsteinischen Landes hauptstadt. Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar würdigten Beitz, dessen Engagement es maßgeblich zu verdanken gewesen sei, dass in Kiel die Olympischen Segelwett bewerbe im Jahr 1972 erfolgreich durchgeführt werden konnten. "Mit Berthold Beitz verliert die Landeshauptstadt Kiel nicht nur einen Ehrenbürger, sondern einen engen Freund, der viele Menschen in unserer Stadt geprägt und inspiriert hat", so Gaschke und Tovar.

Berthold Beitz wurde 1953 Generalbevollmächtigter des letzten persönlichen Inhabers der Firma Krupp, Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Danach stand er rund 60 Jahre lang in verschiedenen Funktionen an der Spitze des Konzerns, der zu Deutschlands größten Unternehmen zählt. Nach dem Tod von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach stellte er die Weichen für die Gründung der Krupp-Stiftung, die heute Großaktionär des Essener Industriekonzerns ist. Nach Alfried Krupps Tod 1967 wurde er deren Vorsitzender. Maßgeblichen Einfluss hatte er auch auf die Fusion mit Thyssen 1999 zum heutigen ThyssenKrupp-Konzern, der aktuell mehr als 150 000 Menschen beschäftigt. Auch als Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung übte er erheblichen Einfluss aus. Die Stiftung ist mit 25,3 Prozent wichtigster ThyssenKrupp-Aktionär. Entscheidungen von Tragweite waren bis zuletzt ohne das Plazet des mächtigen Beitz nicht denkbar. Der in Vorpommern geborene Berthold Beitz gilt als großer Förderer des Ruhrgebiets. Die Krupp-Stiftung unterstützte unter seiner Leitung Wissenschaft, Bildung und Sport mit rund 625 Millionen Euro.

Politik und Wirtschaft würdigten den Verstorbenen. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Beitz als "deutsche Symbolfigur für sozial verantwortliches Unternehmertum". Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte "mit großer Trauer" auf den Tod von Beitz. Der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, sagte, Beitz stehe wie kaum eine andere Persönlichkeit für die Erfolgsgeschichte der deutschen Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg. IG Metall-Chef Berthold Huber verwies auf Beitz "markante Charakterzüge: Verantwortungsbereitschaft, Mut, Entschlossenheit". Huber weiter: "An erster Stelle steht für mich jedoch sein Verdienst, in den finstersten Zeiten Deutschlands für Humanität einzustehen." Beitz hatte im Zweiten Weltkrieg Hunderte Juden vor der Deportation gerettet. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bezeichnete den verstorbenen ThyssenKrupp-Patriarchen als herausragenden Vertreter der sozialen Marktwirtschaft und des Rheinischen Kapitalismus.Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) würdigte den Industriekapitän als Vorbild und prägende Persönlichkeit. "Sein Name steht für die Verbindung von wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung", sagte Kraft. "Sein Tod reißt eine große Lücke." Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) dankte dem Verstorbenen für sein jahrzehntelanges Wirken zugunsten seiner alten Heimat. Beitz war in Bentzin nahe Greifswald aufgewachsen.

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erstellt am 01.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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