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Airline sagt „Tschüss“ : Der letzte Flug von Air Berlin - Easyjet steigt in Tegel ein

vom
Aus der Onlineredaktion

Zum letzten Mal ist am Freitagabend ein Air-Berlin-Flieger gelandet. Easyjet übernimmt 25 Flugzeuge der insolventen Airline.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 10:13 Uhr

Berlin | Nach fast vier Jahrzehnten hat Air Berlin den Flugbetrieb eingestellt. Die letzte Maschine der insolventen Fluggesellschaft, eine Airbus A320, landete am Freitagabend um 23.45 Uhr aus München kommend auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Ein Teil des Geschäfts dort wird nun Easyjet übernehmen.

 

Das britische Unternehmen teilte in der Nacht mit, man habe sich mit Air Berlin auf die Übernahme von 25 Flugzeugen vom Typ A320 geeinigt. Darüber hatten beide Seiten wochenlang verhandelt. Bereits vor zwei Wochen hatte sich Lufthansa 81 Maschinen gesichert, gut die Hälfte der Air-Berlin-Flotte.

Air Berlin war nach Lufthansa seit dem Jahr 2003 die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Im Rekordjahr 2011 kam sie auf mehr als 35 Millionen Passagiere bei 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Mit 1,5 Milliarden Euro verschuldet musste Air Berlin Mitte August Insolvenz anmelden. Der Flugbetrieb konnte dank eines Überbrückungskredites des Bundes über 150 Millionen Euro bis Freitag aufrechterhalten werden.

Die Airline hatte sich vor den letzten Flügen von ihren Kunden verabschiedet. „Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über die vielen Jahre ihr Herz und ihre Treue geschenkt haben“, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Von heute auf morgen fallen nun rund 250 innerdeutsche und Europa-Flüge aus dem Angebot. Noch im vergangenen Jahr hatte Air Berlin rund 800 Flüge täglich im Programm.

«Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über die vielen Jahre ihr Herz und ihre Treue geschenkt haben», teilte das Unternehmen mit.
«Air Berlin bedankt sich an diesem traurigen Tag bei allen Mitarbeitern, Partnern und Passagieren, die uns über die vielen Jahre ihr Herz und ihre Treue geschenkt haben», teilte das Unternehmen mit. Foto: Gregor Fischer
 

Easyjet unterzeichnete nach eigenen Angaben mit Air Berlin eine Vereinbarung über die Übernahme von Teilen des Flugbetriebs in Tegel. Bisher war Easyjet am Standort Berlin ausschließlich am Flughafen Schönefeld aktiv. Für die 25 Maschinen will Easyjet wiederum Leasingverträge abschließen. Die Transaktion soll im Dezember vollzogen werden, hieß es in der Mitteilung.

Bis zu 1000 Piloten und Flugbegleitern sollen Stellen bei Easyjet angeboten werden. Die neuen Mitarbeiter würden „in den kommenden Monaten eingestellt“, auf der Grundlage von mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelten Tarifverträgen, teilte Easyjet weiter mit.

Die letzten Flüge in Berlin, Düsseldorf und Hamburg

Die letzte Maschine von Air Berlin wurde in Berlin-Tegel von vielen bisherigen Mitarbeitern, Bodenpersonal und Schaulustigen auf der Besuchertribüne erwartet. Die Flughafen-Feuerwehr empfing die Maschine mit Wasserfontänen. Vor dem Abflug in München und nach dem Ausrollen in Berlin hielt die Crew aus einem Fenster des Cockpits eine Fahne mit dem Emblem von Air Berlin und den Worten „sagt Tschüss“. Auf anderen Flughäfen wie Düsseldorf und Hamburg gab es für die letzten Flüge ähnliche emotionale Aktionen.

Das Flugzeug von Air Berlin, mit dem der letzte Flug der Airline durchgeführt wird, wird in München mit den Löschstrahlen von Feuerwehrfahrzeugen verabschiedet.
Das Flugzeug von Air Berlin, mit dem der letzte Flug der Airline durchgeführt wird, wird in München mit den Löschstrahlen von Feuerwehrfahrzeugen verabschiedet. Foto: Matthias Balk
 

Die Lufthansa will die beiden Air-Berlin-Töchter Niki und LGW sowie weitere 20 Jets übernehmen, sofern die Kartellbehörden zustimmen. Niki und LGW sind nicht insolvent und fliegen weiter. Bis zu 3000 Mitarbeiter sollen bei der Lufthansa-Tochter Eurowings unterkommen. Davon sollen rund 1700 Mitarbeiter mit Niki und LGW direkt übernommen werden, auf die anderen 1300 Stellen können sich Interessenten bewerben.

Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit kritisierte, statt eines geregelten Übergangs gebe es für viele Mitarbeiter nur die Möglichkeit, sich erneut „auf ihre eigenen Jobs, aber zu schlechteren Konditionen“ zu bewerben. „Das ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar.» Mit der Eurowings einigte sich die Gewerkschaft am Freitag gleichzeitig auf einen Tarifvertrag über die Einstellungsbedingungen für die Einzelbewerber.

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