Verhandlungen in Brüssel : Der lange Kampf um Fangquoten

Fischer sortieren ihren Heringsfang. In Brüssel beraten die EU-Länder über Fangquoten. Foto: dpa
Fischer sortieren ihren Heringsfang. In Brüssel beraten die EU-Länder über Fangquoten. Foto: dpa

In Brüssel entscheiden die EU-Staaten über die Fangobergrenzen für das kommende Jahr. Die Verhandlungen sind zäh.

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20. Dezember 2012, 11:11 Uhr

Brüssel | Bei den Verhandlungen über die Fischfangquoten haben Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und ihre europäischen Kollegen am Mittwochabend einer langen Nacht entgegen gesehen. Bei dem jährlichen Treffen entscheiden die EU-Staaten über die Fangobergrenzen für das jeweils folgende Jahr. Es geht vor allem um die Quoten für Fischarten in der Nordsee und im Nordostatlantik.
Die Verhandlungen sind stets ein Balanceakt zwischen Umweltschutz und kurzfristigeren Wirtschaftsinteressen. Die Ausgangsvorschläge von EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki orientieren sich an den Empfehlungen von Wissenschaftlern. So will Damanaki sicherstellen, dass die Bestände nicht überfischt werden. Bis 2015 will die Brüsseler Behörde ein Fangniveau auf dem sogenannten "höchstmöglichen Dauerertrag" erzielen: Dies gilt als die stärkste mögliche Befischung, die die Fischsorten langfristig vertragen. Fast die Hälfte der Bestände ist laut Damanaki derzeit überfischt.

Fischbestände sollen sich erholen

Deutschland unterstützt die Kommission. "Insgesamt sind wir ja sehr nahe bei der Kommission, wenn es um die Frage nachhaltige Fischerei geht", sagte Ministerin Aigner. Kritiker halten dagegen, es fehlten Daten zum Zustand der Fischbestände. Besonders die Fangnationen Spanien, Portugal und Großbritannien drängten am Abend noch auf Anhebung ihrer Fang-obergrenzen, berichtete ein Diplomat.
Bereits am Dienstagabend hatte der zuständige Fachausschuss des Europaparlaments die Mitgliedstaaten unter Druck gesetzt. Mit knapper Mehrheit und gegen die Stimmen der konservativen Fraktion verabschiedeten die Parlamentarier einen Kompromiss, der erstmals ein Rückwurfverbot für unerwünschten Beifang vorsieht. Außerdem sollen schon ab 2015 keine überhöhten Fangquoten mehr beschlossen werden. So sollen sich die Fischbestände bis 2020 erholen.

Tote Fische landen wieder im Meer

Bislang werfen Fischer etwa ein Viertel ihres Fangs wieder zurück ins Meer, um Quoten einzuhalten oder weil die Fische keinen Handelswert haben. Die meisten Tiere sind dann allerdings schon tot.
Nach dem Willen des Fischereiausschusses soll das Rückwurfverbot nun 2014 beginnen und bis 2016 für alle Fischarten gelten. Die Mitgliedstaaten hatten angepeilt, diese Frist bis 2019 auszudehnen.
Zweites Kernanliegen der Abgeordneten ist, ab 2015 den "höchstmöglichen Dauerertrag" durchzusetzen, den auch der Vorschlag von EU-Kommissarin Damanaki enthält. Mit dieser wissenschaftlich abgesicherten Mengengrenze soll das biologische Gleichgewicht wieder hergestellt werden. Auch in diesem Punkt hatten die Hauptstädte gebremst. Und in den Gewässern von Entwicklungsländern soll die EU ebenfalls nicht mehr zur Überfischung beitragen und Regelbrechern die Zuschüsse streichen.

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