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Trankstellen in SH : Der internationale Ölmarkt spielt verrückt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auch die Krisen im Nahen Osten und in der Ukraine stoppen den Preisverfall nicht – Nordseeöl fällt in einem Jahr erstmals unter 100 Dollar. In Büdelsdorf sorgte der Defekt einer Tankstelle für Aufsehen.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 14:17 Uhr

Hamburg/Rendsburg | Die Autofahrer wollen ihren Augen nicht trauen. Manche halten am Montagmorgen auf der vielbefahrenen Hollerstraße in Büdelsdorf an. Der Preismast der Jet-Tankstelle, als sogenannte B-Marke eigentlich einer der Billiganbieter, zeigt einen Preis für den Liter Diesel von 160,9. Rund 26 Cent mehr als die in der Nähe liegenden Wettbewerbstankstellen. Was ist los bei Jet, einer Marke der internationalen Conoco-Gruppe? Nein, die Gesellschaft reagiert nicht mit einer drastischen Preiserhöhung auf die Unruhen im Nahen Osten. Dort, wo viel Öl gefördert wird. Ebenso sind es auch nicht die Kriegszustände in der Ostukraine. Es handelt sich schlicht und einfach um einen technischen Defekt im Preismast, der auch Stunden später noch nicht behoben ist. Büdelsdorf bleibt für einen Tag die Hochpreisregion auf dem schleswig-holsteinischen Tankstellenmarkt.

Der internationale Ölmarkt ist aus den Fugen geraten. Hatten doch in der Vergangenheit weltpolitische Krisen in der Regel steigende Preise zur Folge, bricht der Markt seit Wochen ein. So kostet das Fass Nordseeöl erstmals seit Juni 2013 keine 100 Dollar mehr. Am Montag wurde ein Barrel (159 Liter) Brent zur Lieferung im Oktober mit 99,91 Dollar notiert – 88 Cent weniger als zum Handelsschluss am Freitag der vergangenen Woche. Ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate verbilligte sich um 85 Cent auf 92,44 Dollar. Der Ölmarkt sei derzeit „auf einem Ohr taub“, schrieben Experten der Commerzbank in einem Kommentar. Nach dem Fall der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar sei mit weiteren Verlusten zu rechnen, heißt es bei Hamburger Importeuren.

Auch die Meldungen von Montagnachmittag, wonach mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu rechnen sei, beunruhigten den Ölmarkt nicht. Im Gegenteil: Der Preis für Rohöl der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) fiel weiter. Ein Barrel kostete um die 98 Dollar.

Und doch verläuft der Preisrückgang an den Tankstellen nur schleppend. In manchen Regionen wie Flensburg, Eckernförde und Ostholstein kommt es bei Superkraftstoff und Diesel nur zu leichten Preisrückgängen. In Hamburg und auch in Teilen Mittelholsteins dagegen profitieren die Autofahrer stärker vom internationalen Preisverfall. So kostete der Liter Diesel am Montag in Rendsburg und Umgebung 130,9, teilweise an freien Tankstellen nur 129,9. In Hamburg fiel der Dieselpreis an einigen Stationen sogar bis auf den Tiefstpreis von 127,9.

An der Büdelsdorfer Jet-Tankstelle gab es stundenlang zwei Preise. Einmal der am Mast ausgewiesene Höchstpreis von 160,9, an den Tanksäulen aber wurden tatsächlich nur die marktüblichen 133,9 abgerechnet. Der Ölmarkt gab Montagabend weiter nach. Es wird wohl in den nächsten Tagen noch billiger.

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