Ab in die Werkstatt : Defekte Autos: Zahl der Rückrufe steigt, BMW an der Spitze

Die Schleswig-Holsteiner kaufen mehr Fahrzeuge. Ein Experte warnt vor entstehendem Kostendruck.

Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
18. Juli 2015, 06:30 Uhr

Flensburg | Defekte Airbags, kaputte Bremsen, Fehler in der Elektronik – immer häufiger rufen Hersteller ihre Fahrzeuge zurück in die Werkstatt. Allein im ersten Halbjahr 2015 hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 938.477 Rückrufe für Autos und Motorräder gezählt. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2013 zählte die Flensburger Behörde nur rund 770.000 zurückgerufene Fahrzeuge.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen warnt, dass die Zahl der Rückrufe weiter steigen könnte. „Die Autos werden immer komplexer“, sagt der Gründer des Center Automotive Research (Car). Der Kostendruck in der Industrie und der Einsatz von Gleichteilen – also Bauteilen, die unabhängig vom Modell eingesetzt werden – treibe die Zahlen nach oben. „Ein global agierender Zulieferer ist durchaus eine Möglichkeit dafür, dass die Zahlen steigen“, bestätigt auch ein Sprecher des KBA. Konkret musste dies zuletzt BMW erleben. Die Bayern hatten Produkte des japanischen Airbag-Hersteller Takata in ihren Fahrzeugen verbaut. Allein 390.000 Rückrufe musste der Autokonzern daher seit Januar dieses Jahres veranlassen.

Experte Dudenhöffer fehlt eine „starke Abschreckung“. Er kritisiert, dass die Behörden mit der Genehmigung der Fahrzeuge den Herstellern hierzulande „letztlich einen Persilschein“ ausstellen. Die Hersteller wiederum würden zu langsam reagieren. Die Probleme seien so kaum in den Griff zu kriegen. „Wir brauchen ein System, wo man die Fehler im Feld schneller erkennt.“

Wie oft Halter aus Schleswig-Holstein von den Rückrufen betroffen waren, ist unklar. Immerhin: Fünf Prozent des norddeutschen Fahrzeugbestands stammen nach KBA-Zahlen aus den bayerischen Motorenwerke. Gut jedes neunte Auto im Land wurde hingegen in Rüsselsheim produziert – und Opel rief im ersten Halbjahr mehr als 60.000 Fahrzeuge zurück. Auffällig unbehelligt blieben hingegen Volkswagen-Fahrer im Land. Nur 38 Fahrzeuge rief Deutschlands größter Autohersteller in den ersten sechs Monaten bundesweit zurück – allein in Schleswig-Holstein ist aber jedes vierte Auto ein VW.

Dass die Zahl der Rückrufe zunimmt, hat aus Sicht von Dudenhöffer zudem noch einen weiteren Grund. „Wir wachsen im Automarkt“, sagt er. So ist in Schleswig-Holstein der PKW-Bestand seit Januar 2014 um mehr als mehr als 20.000 Fahrzeuge gewachsen.

Von diesen Automarken wurden die meisten Autos zurückgerufen*:

Marke Zahl
BMW 403.339
Chevrolet 86.906
Opel 77.848
Nissan 49.406
Renault 36.030
Toyota 34.830
Mercedes-Benz 21.764
Honda 21.587

*fast alle Marken waren im ersten Halbjahr von Rückrufen betroffen, Quelle: Kraftfahrtbundesamt

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