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Rekord an den Börsen : Dax 11.000: Was Sie jetzt wissen müssen

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Deutsche Aktien steigen und steigen. Der Dax hat die Marke von 11.000 Punkten überschritten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 11:50 Uhr

Deutsche Aktien stehen so hoch wie noch nie. Der Deutsche Aktienindex Dax hat am Freitag die runde Marke von 11.000 Punkten geknackt. Um 9.39 Uhr waren es 11.013 Punkte. Anschließend rutschte de Index wieder etwas ab. „Gewinnmitnahmen“ sagen die Börsianer in solchen Fällen. Immerhin ist Deutschlands wichtigster Börsenindex in diesem Jahr bereits um 17 Prozent gestiegen. Aber was bedeutet der rasante Dax-Ansteig? Und: Muss ich jetzt einsteigen?

Seit wann gibt es den Dax schon?

Bevor es den Dax gab, orientierten sich die Anleger in Deutschland an zwei Indizes: Den der Börsen-Zeitung und den der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Letzteren gibt es heute noch, er ist allerdings wenig beachtet. Aus dem Index der Börsen-Zeitung entwickelte die Deutsche Börse Ende der 80er-Jahre den Deutschen Aktien-Index. Ziel war es, ein Marktbarometer zu schaffen, das in Deutschland eine Bekanntheit erreicht wie der Dow-Jones-Index in den USA. Der Deutsche Aktien-Index startete am  1. Juli 1988. Da der Dax auf dem Index der Börsen-Zeitung beruht, lässt er sich bis in das Jahr 1959 zurückberechnen.

Mit wie vielen Punkten startete er?

Der Dax-Stand wurde für den 31. Dezember 1987 auf 1000 Punkte festgelegt. Zum offiziellen Startzeitpunkt am 1. Juli 1988 notierte er bei 1164 Punkten, hatte also in dem halben Jahr davor bereits 16 Prozent zugelegt.

Wie wird der Dax berechnet?

Ausgehend vom Startwert 1000 werden die 30 Aktien, die im Dax gelistet sind, gewichtet. Kriterien dabei sind die Marktkapitalisierung, also der Wert des Unternehmens auf Basis des Aktienkurses, und das Handelsvolumen. Größere Unternehmen haben also ein größeres Gewicht. Das ist bei Aktienindizes nicht selbstverständlich. Beim amerikanischen Dow Jones etwa sind alle Aktien gleich gewichtet.

Den Dax gibt es in zwei Varianten: Einem Kursindex und einem Performance-Index. Beim Kursindex fließt nur die Kursentwicklung in die Berechnung ein, beim Performance-Index auch die ausbezahlten Dividenden. Wenn wir vom Dax sprechen, meinen wir in der Regel den Performance-Index. Wie groß der Einfluss der Dividenden auf den Wert eines Aktiendepots ist, zeigt der Blick auf den Dax-Kursindex. Er notiert aktuell nur bei 5600 Punkten, also nur gut halb so hoch wie der Performance-Dax.

Die meisten anderen internationalen Indizes lassen übrigens die Dividenden außen vor, so etwa der Stoxx, der EuroStoxx oder auch der Dow Jones.

Warum sind keine Firmen aus SH im Dax?

Ganz einfach: Unsere börsennotierten Firmen in Schleswig-Holstein sind viel zu klein. Laut einer Liste der HSH Nordbank sind die umsatzstärksten Unternehmen in SH das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die Bartels-Langness-Handelsgesellschaft Kiel und Coop in Kiel - allesamt nicht an der Börse notiert. Das größte börsennotierte Unternehmen folgt auf Platz vier der HSH-Liste: Drägerwerk. Das Lübecker Unternehmen hat einen Börsenwert von 1,3 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Das kleinste Dax-Unternehmen, der Kölner Chemiekonzern Lanxess, wird an der Börse mit 4,2 Mrd. Euro bewertert.

Der Norden ist im Dax vertreten mit dem Hamburger Unternehmen Beiersdorf (Börsenwert: 19,6 Mrd. Euro). Zumindest indirekt über die Muttergesellschaft ist ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel im Dax vertreten.

Insgesamt sind die 30 Dax-Werte an der Börse 1150 Milliarden Euro wert. Der Dax gilt im internationalen Vergleich als noch günstig. Apple etwa kostet alleine umgerechnet rund 650 Milliarden Euro.

Was ist die „Dax-Familie“?

Weil der Dax so populär wurde, hat die Deutsche Börse im Laufe der Jahre weitere Indizes entwickelt, in denen „Dax“ vorkommt: Den MDax für die 50 größten Unternehmen nach dem Dax, den SDax als quasi dritte Börsenliga und den TecDax. Letzterer ist quas der Nachfolger des Nemax, einem Börsenindex, der nach dem Platzen der New-Economy-Blase in Sachen Image „verbrannt“ war.

Kann ich den Dax selbst kaufen?

Lange Jahre lang konnte man den Dax direkt nicht kaufen, sondern nur die im Dax enthaltenen Aktien. In den 90er-Jahren kamen Fondsgesellschaften auf die Idee, den Dax in Investmentfonds nachzubilden. Seit rund 15 Jahren gibt es auch Investmentzertifikate, die die Wertentwicklung des Dax nachbilden. Hier kauft der Anleger aber nicht den Index oder die darin enthaltenen Aktien, sondern leiht der Bank Geld. Geht diese Pleite, ist das Geld, im Gegensatz zu Aktien oder Fonds, futsch. Kaufen kann man den Dax auch mit Terminmarktprodukten wie Optionen oder Futures. Das ist aber nur etwas für Profis.

Warum schwankt der Dax so stark?

Ob Aktien steigen oder fallen, hängt von vielen Faktoren ab: der Konjunktur, der Lage der einzelnen Unternehmen, der politischen Lage, der Anlagebereitschaft der Investoren, dem Zinsumfeld. Im Laufe seiner Geschichte hat der Dax eine Reihe von Abstürzen erlebt.

Schwere Zeiten erlebte der Dax unter anderem nach dem Platzen der Technologieblase an den Börsen im Jahr 2000. Ein Jahr später drückten die Anschläge vom 11. September die Kurse. 2008 belastete die weltweite Finanzkrise die Börsen. Die Erholungsphasen zwischen den Krisen haben die Verluste aber immer überkompensiert, sodass der Dax sich seit Auflage verzehnfacht hat.

Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, dass diese Verzehnfachung nicht inflationsbereinigt ist. Die Kaufkraft des Wertes der im Dax enthaltenen Aktien hat sich also nicht verzehnfacht.

Warum ist der Dax zuletzt so stark gestiegen?

Einige Faktoren kamen dabei zusammen. Die Konjunktur in Deutschland ist seit Jahren robust, 2014 betrug das Wachstum 1,6 Prozent. Allerdings: Die meisten Dax-Unternehmen verdienen das meiste Geld gar nicht in Deutschland, sondern im Ausland, hauptsächlich in der Euro-Zone. Und hier geht es vielen Ländern wirtschaftlich schlecht.

Hauptgrund für den Kursanstieg ist die Politik des billigen Geldes der Europäischen Zentralbank EZB und der US-Notenbank Fed. Hier können sich große Anleger wie Banken oder Versicherungen Geld fast zum Nulltarif leihen. „Die Notenbanken fluten die Kapitalmärkte weltweit mit billigem Geld. Zur Aktienanlage gibt es derzeit keine Alternative“, sagte am Freitag der Portfoliomanager Ludwig Donnert von Orca Capital. Anleihemärkte sind wenig attraktiv, weil hier, analog zu den Notenbankzinsen, die Renditen im Keller sind. Es bleiben also als attraktive Anlageobjekte Immobilien oder eben Aktien.

Jüngster Auslöser für den Sprung über 11.000 Punkte war das Minsker Friedensabkommen vom Donnerstag. Für solche Phänomene haben Börsianer folgende Weisheit: „Politische Börsen haben kurze Beine.“

Können bloße Gerüchte und Emotionen Einfluss auf den Dax haben?

Kurz- und mittelfristig auf jeden Fall. Am Aktienmarkt wird nicht der aktuelle Zustand gehandelt, sondern die Erwartungen an die Zukunft. Und die werden nicht nur von Fakten geprägt. Börsianer haben dafür eine Reihe von Sprüchen, etwa: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ oder „Von Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden“.

Sollte ich jetzt kaufen?

Klare Antwort: Das muss jeder selbst wissen. Dass der Dax nun bei rund 11.000 Punkten steht, zieht Interesse von Privatanlegern auf sich, was zu weiteren Gewinnen führen könnte. Allerdings spielen Privatanleger in Deutschland an der Börse kaum eine Rolle. Laut Deutschem Aktieninstitut besitzen nur 4,6 Millionen Deutsche überhaupt Aktien. Im Gegensatz zu großen institutionellen Anlegern bewegen sie kaum die Kurse. Und für Profis ist eine runde Marke wie 11.000 zwar durchaus beachtenswert. Für Kaufentscheidungen spielt das allerdings so gut wie keine Rolle.

Am Ende ist ein Aktienkauf zum jetzigen Zeitpunkt eine Wette darauf, dass die EZB noch längere Zeit die Zinsen niedrig lässt. Allerdings spricht derzeit, auch nach den Äußerungen von EZB-Chef Jean-Claude Trichet von Mitte Januar, nichts für eine Änderung der EZB-Politk.

 

Der Autor ist Chefredakteur Online beim sh:z. Davor war er Redakteur beim Anlegermagazin Börse Online und bei der Financial Times Deutschland.

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