zur Navigation springen

Neue Konsum-Studie : Das tägliche Stück Fleisch

vom

Die Bundesbürger essen 60 Kilogramm von Rind und Schwein im Jahr – und sind Europas größte Schlachter. Deutschland hat sich zum „Exportland von Billigfleisch“ entwickelt.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 10:44 Uhr

Wer im deutschen Supermarkt zum Schnitzel greift, schadet Kleinbauern in Südamerika oder dem Klima. Viele Warnungen von Umwelt- und Tierschützern zum Fleischkonsum klingen schrill, einige sind stark vereinfacht. Doch manches hat einen ernsten Kern, wie der „Fleischatlas“ zeigt.

Wie viel Fleisch isst die Menschheit?

Immer mehr. 2012 waren es rund 300 Millionen Tonnen, bis 2050 kommen etwa 50 Prozent hinzu, schätzt die Welternährungsorganisation – sollte der aktuelle Trend anhalten, zu dem steigende Einkommen und Verstädterung in Schwellenländern beitragen. Ein Deutscher isst durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch im Jahr. In den 80er Jahren waren es laut Bauernverband noch 67 Kilogramm.

Wie beeinflusst die weltweite Nachfrage Deutschlands Fleischproduktion?

Weil der heimische Markt gesättigt ist, setzt die deutsche Ernährungsindustrie auf die Nachfrage im Ausland. Jährlich freuen sich Bauern und Verarbeiter über wachsende Exporte. Dafür haben sie in den vergangenen Jahren Millionen neuer Mastplätze gebaut – vor allem für Schweine, Hähnchen und Puten. Das sichert Arbeitsplätze, aber gegen die „Tierfabriken“ gibt es auch Widerstand von Bürgerinitiativen. Niedriglöhne in Schlachthöfen beschäftigen zudem  auch die Bundesregierung. Deutschland habe sich zum „Exportland von Billigfleisch“ entwickelt, sagt der Eberswalder Agrarökonom Bernhard Hörning. „Billigfleisch aus Deutschland ist ein Mythos“, hält Bauernverbands-Generalsekretär Bernhard Krüsken dagegen. Die Preise lägen über EU-Durchschnitt.

Wie hoch ist die deutsche Fleischproduktion im Vergleich mit anderen Staaten?

Vor allem beim Schweinefleisch gibt Deutschland den Ton an. Mit 58 Millionen getöteten Tieren liegt Deutschland auf Platz 1, beim Rindfleisch auf Platz 2 hinter Frankreich. Bei Hühnern gehört die Bundesrepublik noch zu den Top 5.

Sollten die Deutschen also weniger Fleisch essen?

Unter Medizinern gilt das als Gemeingut. Fleisch enthält zwar wertvolle Nährstoffe, wie es in den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung heißt. Mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche sollten es demnach aber nicht werden – die Deutschen müssten ihren Verbrauch also reduzieren. Barbara Unmüßig von der Böll-Stiftung hält den Fleischkonsum einmal pro Woche für ausreichend und rät: „Zurück zum Sonntagsbraten.“ Die Ernährungsindustrie hält nichts von Vorgaben für Verbraucher, die selbstbestimmt entscheiden, was sie essen möchten, wie es beim Branchenverband BVE heißt.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen