Mikrozensus 2016 : „Das muss heute noch zum Chef“: Arbeitnehmer in SH leisten 16,7 Millionen Überstunden

Überstunden

Statt zu Hause verbrachten Beschäftigte in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern 135,5 Millionen Stunden zusätzlich auf der Arbeit.

Bundesweit wurden 2016 fast 829 Millionen Stunden Mehrarbeit geleistet. Generell ist die Zahl allerdings rückläufig.

shz.de von
12. Januar 2018, 07:58 Uhr

Kiel/Hamburg | 135,5 Millionen Stunden haben Beschäftigte in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern laut Mikrozensus 2016 zu viel in der Firma verbracht. Damit ist die Zahl der Überstunden langfristig zwar zurückgegangen, sie liegt jedoch weiter auf hohem Niveau. Ausnahme: In Hamburg steigen die Zahlen.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist hoch wie nie, da sorgt eine weitere Zahl für Aufsehen: Laut Mikrozensus haben Beschäftigte 2016 etwa 828,7 Millionen Überstunden geleistet – 2012 lag die bezahlte und unbezahlte Mehrarbeit noch bei rund 960,8 Millionen Stunden.

Allein 135,5 Millionen davon entfielen auf die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervor, die dem sh:z vorliegt. Und die Tendenz zeigt deutlich: Jeweils die Hälfte der Überstunden oder mehr blieb unbezahlt.

Und obwohl sich somit bei einer 40-Stunden-Woche rund 20,7 Millionen Wochen an Überstunden angesammelt haben, geht die Bundesregierung davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch viel höher liegen. Der Grund: Die Beantwortung der Fragen im Mikrozensus ist freiwillig. Daher werde von einer Untererfassung ausgegangen. Und so schätzt unter anderem die Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) die Zahl der Überstunden für 2016 fast doppelt so hoch auf 1,7 Milliarden – 941 Millionen von ihnen ohne finanzielle Entschädigung. Mit Blick auf die einzelnen Branchen fallen laut IAB insbesondere in der Industrie und im Baugewerbe Überstunden an. Finanziell ausgeglichen werden sie im Dienstleistungsbereich am seltensten.

Im Vier-Jahresvergleich des Mikrozensus zeigt sich: Sowohl in Schleswig-Holstein als auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist die absolute Zahl der Überstunden jedoch zurückgegangen: in Niedersachsen um 20 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern um 18,2 und in Schleswig-Holstein um 15,9 Prozent.

Damit lagen die absoluten Zahlen bei 66,4, 30 ,1 bzw. 16,7 Millionen Stunden. Einzig Hamburg verzeichnet ein Plus von 13,2 Prozent. Dort leisteten die Beschäftigten rund 22,6 Millionen Stunden mehr, 14,4 Millionen unbezahlt. Ähnlich hoch ist die Quote der unbezahlten Mehrarbeit in den übrigen Bundesländern. Der DGB geht davon aus, dass Beschäftigten 2016 durch nicht bezahlte Überstunden rund 20 Milliarden Euro Lohn und Gehalt entgangen sind.

 

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