Facebook : Das Millionen-Geschäft mit den Daten

Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle des Netzwerks. Sie soll jetzt noch zielgenauer werden.
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Werbung ist die wichtigste Einnahmequelle des Netzwerks. Sie soll jetzt noch zielgenauer werden.

Facebook genehmigt sich mit den neuen Nutzungsbedingungen einen noch tieferen Einblick in die Vorlieben seiner Nutzer. Fragen und Antworten zum Geschäftsmodell.

shz.de von
30. Januar 2015, 13:02 Uhr

Dieser Login bleibt nicht ohne Folgen. Wer sich seit Freitag im sozialen Netzwerk Facebook anmeldet, akzeptiert damit auch die neuen, umstrittenen Nutzungsbedingungen. Das Unternehmen will mit den Änderungen unter anderem das Surfverhalten seiner Mitglieder detaillierter auswerten und für individuelle Werbeanzeigen nutzen. Politiker und Datenschützer kritisierten das Vorgehen. Es deckt sich jedoch auch mit den Geschäftspraktiken anderer Datensammler wie Amazon und Google sowie zahlreicher Werbenetzwerke. Doch wie funktioniert das Geschäft mit personalisierter Werbung? Fragen und Antworten:

Was ist neu an der Datenauswertung?

Bislang hat Facebook hauptsächlich die Aktivitäten innerhalb seines Netzwerkes analysiert. Hat ein Nutzer die Facebook-Seite beispielsweise einer bestimmten Automarke abonniert, wird ihm vermehrt darauf zugeschnittene Werbung angezeigt. Das US-Unternehmen will dafür nun auch Daten fremder Seiten nutzen und in verschiedenen Apps verwenden.

Wer nun im Browser bei Facebook angemeldet ist und parallel auf anderen Webseiten surft, verrät dem Unternehmen etwas über seine Vorlieben und Interessen. Möglich machen das unzählige Internetseiten, die über den „Gefällt mir“-Knopf technisch mit Facebook verknüpft sind. Hintergrund: Das riesige Netzwerk ist mit weltweit mittlerweile 1,39 Milliarden Nutzern ein wichtiger Faktor für die Reichweite von Internetseiten. In Schleswig-Holstein klagten Unternehmen deshalb zuletzt auch für ein Recht auf die Facebook-Nutzung vor dem Oberverwaltungsgericht. Sie befürchteten einen Wettbewerbsnachteil.

Wie funktioniert das?

Facebook und damit verknüpfte Webseiten oder Dienste speichern die IP-Adressen ihrer Besucher und setzen Cookies auf deren Rechner. So lassen sich personenbezogene Daten erstellen. Über die Verknüpfungen auf externen Seiten lassen sich diese Daten direkt mit dem persönlichen Facebook-Profil des Nutzers verknüpfen. Zusätzlich will das Unternehmen nun auch Daten über individuelle Kenn- und Gerätenummern von Apps und Smartphones speichern und auswerten.

Wofür werden diese Daten genutzt?

Facebooks Einnahmen kommen größtenteils aus Werbeanzeigen, denn die Nutzung ist kostenlos. Gerade die Nachfrage für Anzeigen auf Smartphones und Tablets sorgten zuletzt für ein kräftiges Umsatzwachstum auf 3,9 Milliarden Dollar. Je zielgenauer eine Anzeige ist, desto höher ist ihr Wert. Das Unternehmen wird an jedem Klick auf eine Anzeige mit einer Provision beteiligt. Mit den neuen Nutzungsbedingungen kann Facebook außerdem auch GPS-Daten nutzen und seinen Nutzern auch Werbung von Restaurants und Geschäften aus ihrem direkten Umfeld anzeigen. Sie werden damit auch für kleinere regionale Anbieter attraktiv.

Firmengründer Mark Zuckerberg schafft mit den Änderungen die Grundlage für sein neues Werbenetzwerk „Atlas“. Wer eine Webseite betreibt, kann „Atlas“ Werbeplätze zur Verfügung stellen. Diese erkennen Facebook-Nutzer, verarbeiten die gespeicherten Informationen und zeigen so auch außerhalb Facebooks sehr individuelle Werbung an. Der Betreiber der Webseite wird an den Einnahmen beteiligt.

 
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