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Abwertung des Renminbi : Darum schwächt China die eigene Währung

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Aus der Onlineredaktion

China lässt den Renminbi, auch Yuan genannt, zwei Tage in Folge abstürzen. Dafür gibt es zwei Gründe.

Peking | Chinas Zentralbank hat die chinesische Währung Renminbi mit einem erneuten Eingriff noch weiter auf Talfahrt geschickt. Das tat sie bereits den zweiten Tag in Folge. Die Bank setzte am Mittwoch den Referenzkurs auf 6,3306 Yuan je US-Dollar fest - ein Abschlag für die chinesische Währung von weiteren 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag. Bereits am Dienstag hatte die Bank den Referenzkurs um 1,9 Prozent gesenkt und damit den Renminbi im Verhältnis zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren geschickt.

Anders als im westlichen Kulturkreis haben in China die Währung selbst und die Einheit der Währung nicht denselben Namen. Die Währung heißt Renminbi, die Einheit Yuan. Im Westen wird die Währung selbst aber auch oft Yuan genannt.

Theoretisch kann eine Zentralbank die eigene Währung ohne Limit schwächen. Sie verkauft dafür eigene Währung, die sie selbst „schafft“, und kauft damit fremde Devisen, im konkreten Fall Dollar. Der Vorteil: Eigene Waren werden im Ausland billiger, der Export profitiert. Der Nachteil: Fremde Waren werden im eigenen Land teurer. Dadurch, und durch die Aufblähung der eigenen Währungsmenge, entsteht Inflationsgefahr.

Die Abwertung ist ein staatlicher Eingriff. Dennoch orientiert sich die Zentralbank damit näher am Markt - ein deutlicher Politikwechsel für China. Bislang setzte die Zentralbank den Kurs der eigenen Währung gegenüber dem Dollar willkürlich fest. Dann ließ sie ihn in einem schmalen Band dazu schwanken. Sie Dienstag orientiert sich die Bank am Schlusskurs des Vortags. (Hier das Statement der People's Bank of China im Wortlaut zum Nachlesen auf englisch.)

Analysten sind der Ansicht, dass ein schwächerer Yuan vor allem der Exportindustrie des Landes helfen wird. Die Ausfuhren Chinas waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Juli des Vorjahres eingebrochen. Für Exporteure nach China wird es dagegen schwerer, weil ihre Produkte teurer werden.

Peking hofft mit dem Schritt zu mehr Marktorientierung außerdem, seine Chancen auf eine Aufnahme in einen Korb von internationalen Reservewährungen des IWF zu verbessern. Darin sind bisher der US-Dollar, der Euro, das britische Pfund und der japanische Yen enthalten. Analysten sind sich uneins, ob dies oder die zuletzt schwächeren Wirtschaftsdaten Hauptgrund für die Abwertung sind.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) nannte den Politikwechsel Pekings einen „willkommenen Schritt“, weil der Markt eine größere Bedeutung bei der Bestimmung des Wechselkurses erhalte. Auch die EU-Kommission in Brüssel sprach von einer „positiven Entwicklung“.

Noch immer wird die chinesische Währung längst nicht so frei wie andere Währungen gehandelt, weshalb der täglich neu festgelegte Mittelwert von großer Bedeutung ist. Die Zentralbank hatte am Dienstag angekündigt, den Mechanismus ändern zu wollen, mit dem der tägliche Referenzkurs festgelegt wird. Ausgehend von diesem Fixpunkt lässt die Zentralbank Handelsschwankungen von zwei Prozent nach oben und unten zu. Insofern ist die Abwertung vom Mittwoch noch innerhalb dieses Bandes.

Unklarheit herrscht nun darüber, ob noch weitere Abwertungsschritte folgen. Die Zentralbank schrieb zwar am Mittwoch in einer Stellungnahme: „Momentan gibt es keine Basis dafür, die Abwertung des Wechselkurses fortzusetzen.“ Allerdings hatten die Geldwächter schon bei der Intervention am Vortag betont, dass es sich um eine „einmalige Maßnahme“ handele.

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erstellt am 12.Aug.2015 | 10:22 Uhr

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