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Auto-Kartell und Dieselmanipulationen : Daimler legt gute Zahlen vor und schweigt

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Dieter Zetsche will die Vorwürfe zum Autokartell nicht kommentieren. BMW spricht nicht mehr mit Daimler.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 16:04 Uhr

Trotz der Debatten um Diesel-Manipulationen und Fahrverbote hat der Autobauer Daimler erneut stark zugelegt. Im zweiten Quartal kletterten Umsatz und Gewinn dank des anhaltenden Aufschwungs bei Mercedes-Benz kräftig, wie der Dax-Konzern am Mittwoch mitteilte. Das lag vor allem an der neuen E-Klasse sowie den Stadtgeländewagen (SUV).

Überschattet wird die Vorlage der Zahlen vom Vorwurf, Daimler und andere deutsche Autohersteller hätten über Jahre hinweg illegale Absprachen getroffen.

Zu den Kartellvorwürfen wollte sich Vorstandschef Dieter Zetsche auch am Mittwoch nicht äußern. „Wir sind gut beraten, uns nicht an Spekulationen zu beteiligen“, sagte er. Für bestehende Kooperationen mit anderen Herstellern bedeuteten die Berichte aus seiner Sicht zunächst nichts. „Selbstverständlich haben wir all diese Gespräche und Überlegungen im existierenden Rechtsrahmen angestellt.“

Daimler hat von April bis Juni weltweit mehr als 595.000 Autos von Mercedes-Benz verkauft, so viele wie noch nie in einem zweiten Quartal. Vor allem in Asien legte der Absatz stark zu. Der Daimler-Umsatz stieg im zweiten Quartal um sieben Prozent auf rund 41,2 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis lag bei rund 2,51 Milliarden Euro (plus zwei Prozent) - nach 2,45 Milliarden im zweiten Quartal 2016. Nach Abzug von Minderheitsanteilen bleibt ein Gewinn von 2,44 Milliarden Euro.

Vergangene Woche hatte Daimler angekündigt, mehr als drei Millionen Diesel-Fahrzeuge in die Werkstätten zu rufen, um per Software-Update den Schadstoffausstoß zu verringern. Konzern-Angaben zufolge handelt es sich dabei um nahezu alle Fahrzeuge der Abgasnormen EU 5 und 6 in Europa. Die Aktion soll rund 220 Millionen Euro kosten und in den kommenden Wochen beginnen. Auf die Halbjahresbilanz wirkt sie sich daher noch nicht aus.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit März wegen möglichen Abgas-Betrugs gegen Daimler-Mitarbeiter. Medienberichten zufolge könnten bei mehr als einer Million Fahrzeuge Motoren eingebaut sein, bei denen Abgasmessungen manipuliert wurden. Daimler hat auch das nicht kommentiert, generell aber stets betont, sich an geltendes Recht gehalten zu haben und mit den Behörden zu kooperieren.

Zum mutmaßlichen Diesel-Kartell schweigen bisher auch die anderen verdächtigten Hersteller. Europas größter Hersteller Volkswagen ruft für Mittwochnachmittag außerplanmäßig seine Aufsichtsräte zusammen - dem Vernehmen nach soll es um die Kartellvorwürfe gehen.

Von langfristigen Absatzschwierigkeiten für die Autoindustrie durch die Vorwürfe geht der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, nicht aus. „All diese Firmen produzieren trotz allem ja gute Autos. Die waren in der Vergangenheit zwar vielleicht etwas teurer für Konsumenten, als sie hätten sein müssen, aber der Autoabsatz ist da nicht unmittelbar bedroht“, sagte er dem Bayerischen Rundfunk.

BMW spricht nicht mehr mit Daimler

Der Autobauer BMW hat einem Pressebericht zufolge Kooperationsgespräche zu neuen Projekten mit seinem Rivalen Daimler vorläufig ausgesetzt. Damit reagiere der Autobauer auf die Kartellvorwürfe, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Konzernkreise hätten entsprechende Angaben aus Branchenkreisen zur Einstellung von Gesprächen bestätigt.

Einen Vorstandsbeschluss bei BMW gebe es zwar nicht, das Management wolle aber die Zusammenarbeit kritisch hinterfragen. Betroffen sind demnach mehrere Bereiche, unter anderem der gemeinsame Einkauf von Autoteilen bei Zulieferfirmen. Ein geplantes Tankstellennetz für Elektroautos könne sich verzögern, hieß es in dem „SZ“-Bericht.

Ein BMW-Sprecher wollte die „Spekulationen“ in der „Süddeutschen“ auf Anfrage nicht kommentieren. Aus Unternehmenskreisen hieß es, dass sich angesichts der Kartellvorwürfe bestimmte Kooperationsprojekte verzögern könnten. Offenbar will der Autobauer vorher abklopfen, ob bei neuen Kooperationen alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Daimler hatte nach Angaben des „Spiegel“, der die Kartellvorwürfe öffentlich machte, eine Art Selbstanzeige bei den Wettbewerbshütern eingereicht. Laut „SZ“ soll das offenbar bereits 2014 geschehen sein - damit sei Daimler dem Volkswagen-Konzern bei dessen mutmaßlicher Selbstanzeige zuvorgekommen.

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