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Wirtschaft

23. Oktober 2017 | 19:36 Uhr

Coop-Chef muss gehen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gerade mal drei Jahre ist es her, da entschied Coop-Chef Gerd Müller den Machtkampf mit dem Aufsichtsratsvorsitznden für sich. Damals musste der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Günter Neugebauer den Hut nehmen, weil er sich offenbar im Kampf gegen hohe Bonuszahlungen in der Coop-Chefetage zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte. Jetzt ereilt Müller das gleiche Schicksal. Er verlässt den Vorstand der Coop zum Ende diesen Monats. Insider sagen es deutlicher: „Er wird in die Wüste geschickt“. Die Begründung der Genossenschaft ist so kurz wie nichts sagend. „Die Parteien vertreten hinsichtlich der weiteren strategischen Ausrichtungen der Coop eG verschiedene Auffassungen“.

Fest steht, die Supermarktkette mit ihren Coop- und Skymärkten befindet sich wie die gesamte Branche unter Druck. „Die Preise haben sich nicht so entwickelt wie wir es erwartet haben“, räumte Coop-Vorstandsmitglied Thorsten Tygges gestern ein. Der aggressive Wettbewerb mit den Discountern, die jetzt auch noch mit ihren Backstationen den Vollsortimentern Kunden abjagen, „tue richtig weh“. Zudem habe auch die Coop mit ihren Plaza Bau- und Gartenmärkten unter dem langen Winter gelitten. Wie schwer das Terrain sei, zeige der Wirbel um Max Bahr und Praktiker, so Tygges, der einräumt, „dass wir momentan nicht auf Rosen gebettet sind“.

Offenbar hatte Müller deshalb eine noch engere Kooperation mit Rewe angestrebt. Das Handelsunternehmen ist bereits seit Jahren stiller Gesellschafter bei Coop – in der Bilanz unter der Rubrik „Rückstellungen“ kaschiert. Schon im vergangenen Jahr war über eine Verschmelzung von Rewe und den Sky-Märkten in der Lebensmittelzeitung spekuliert worden. Es folgte ein heftiges Dementi des Aufsichtsrates, der die Eigenständigkeit von Deutschlands größter Konsumgenossenschaft im Lebensmitteleinzelhandel mit rund 200 Standorten und mehr als 9000 Mitarbeitern in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern sowie Teilen von Niedersachsen und Brandenburg verteidigt und dabei offensichtlich die Mehrzahl der 53 000 Mitgliedern hinter sich weiß.

Entsprechend setzt Tygges auf den konsequente n Ausbau der Marke Sky. Die Plaza-Märkte wurden jüngst in Sky-XXL-Märkte umbenannt und mit Nachdruck werde die Marke Sky-Citti ausgebaut. Dabei geht es um eine neue Partnerschaft mit selbstständigen Fachhändlern. Während dieses Konzept beim Konkurrenten Edeka bereits zu 50 Prozent zum Umsatz beiträgt und bei Rewe immerhin zu 40 Prozent, ist die Bedeutung der Partnerverträge bei Coop bislang nur minimal.

Für Neugebauer kommt die jetzige Personalentscheidung nicht überraschend, „aber um Jahre zu spät“. Müller habe „jegliche soziale Kompetenz zur Führung des Unternehmens gefehlt“, was sich auch daran zeige, „dass binnen kurzer Zeit die gesamte Führungsebene weggemobbt und ausgetauscht wurde“. Das Rendsburger SPD-Urgestein, den das Genossenschaftssystem immer faszinierte, hofft nun, dass sich Coop schnell von der „personellen Fehlbesetzung“ erholt.

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