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Drache ohne Puste : Chinas Wirtschaftswachstum fällt auf neues Tief

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Der Wachstumsmotor China lässt nach. Peking könnte sogar sein selbstgestecktes Konjunkturziel reißen. Aber Ökonomen zeigen sich erleichtert - sie hatten Schlimmeres befürchtet.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 12:58 Uhr

Peking | Der Konjunkturmotor China gerät ins Stottern. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde ist im dritten Quartal 2014 so langsam gewachsen wie seit fünf Jahren nicht mehr, wie das Statistikamt am Dienstag in Peking mitteilte. Zwischen Juli und September 2014 legte die Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent zu. Analysten zeigten sich dennoch erleichtert - sie hatten mit 7,2 Prozent ein noch schwächeres Wachstum erwartet. „Die Befürchtungen eines abrupten Abschwungs haben sich angesichts der heutigen Zahlen nicht bewahrheitet“, schreibt Ashley Davies von der Commerzbank. Allerdings dürfte sich Chinas Konjunktur weiter abkühlen. Davon geht auch Ulrike Rondorf vom Bankhaus Lampe aus: „Der Bausektor und die hohe Verschuldung belasten die Konjunktur zusehends.“

Der Zuwachs liegt unter dem von der Staatsführung gesteckten Ziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr. Seit dem ersten Quartal im Jahr 2009 hat Chinas Wirtschaft nicht mehr so langsam zugelegt. Damals hatte die Wachstumsrate bei 6,6 Prozent gelegen. Im zweiten Quartal dieses Jahres war Chinas Wirtschaft auf 7,5 Prozent Wachstum gekommen. Ohne Hilfen von der Zentralregierung stünde Chinas Konjunktur wesentlich schlechter da, meint Wirtschaftsprofessor Yan Chengzhong von der Donghua Universität in Shanghai. Allerdings könnten einige Maßnahmen erst in den kommenden Monaten Wirkung zeigen.

Frederik Kunze von der Nord-LB schreibt: „Insbesondere der Immobilienmarkt wurde durch Lockerungsmaßnahmen gestützt. Darüber hinaus hat die chinesische Zentralbank die Geldschleusen dezent geöffnet und durch gezielte Zinssenkungen und Liquiditätsspritzen dem Bankensektor unter die Arme gegriffen.“ Mit 7,5 Prozent liegt das Regierungsziel weit unter dem zweistelligen Turbo-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte. Sollte es in diesem Jahr bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum seit 24 Jahren.

Chinas Staatsführung misst ihre Wirtschaftspolitik zu einem großen Teil an der Zahl der geschaffenen neuen Stellen auf dem Arbeitsmarkt. Regierungschef Li Keqiang hatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Tianjin vergangenen Monat betont, dass in China in den ersten acht Monaten dieses Jahres fast zehn Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Der Internationale Währungsfonds prognostizierte für China in diesem Jahr ein Wachstum von 7,4 Prozent. Im kommenden Jahr soll China Wirtschaft nur noch mit 7,1 Prozent zulegen. Langfristig könnte sich Chinas Wachstum auf einem noch niedrigeren Niveau einpendeln. Das Analyseunternehmen „The Conference Board“ prognostizierte einen Einbruch von Chinas Konjunkturdaten in den kommenden zehn Jahren. Zwischen 2015 und 2019 werde der Zuwachs im Schnitt bei 5,5 Prozent liegen.

Zwischen 2020 und 2025 werde sich die Wirtschaftsentwicklung weiter verlangsamen auf durchschnittlich 3,9 Prozent, heißt es in einer Analyse. Im Vergleich zum geringen Wachstum in Europa und den USA erscheinen Wachstumszahlen wie in China bemerkenswert, doch sind sie für ein Schwellenland mit seinem Nachholbedarf nicht hoch. Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

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