zur Navigation springen

150 Millionen veruntreut? : Chef von Wölbern Invest vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Er war ein Exot unter Hamburgs Bankern. Ein branchenfremder Mediziner mit Professorentitel, der von Berufs wegen mit Geldanlagen eigentlich wenig am Hut hatte. Jetzt bringt Heinrich Maria Schulte das Engagement bei der traditionsreichen Wölbern Bank vor den Kadi.

shz.de von
erstellt am 15.Mai.2014 | 15:16 Uhr

Hamburg | Ab Montag muss sich der 60-Jährige vor dem Landgericht wegen gewerbsmäßiger Untreue in Höhe von fast 150 Millionen Euro verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt dem Internisten zur Last, als Geschäftsführer diverser Wölbern-Fonds Anlegergeld zweckentfremdet zu haben. 360 Transaktionen listet die Anklage auf, bei denen Schulte 147,3 Millionen Euro „abgeschöpft und zweckwidrig verwendet“ habe, so die Ankläger. Knapp 40 Millionen Euro davon sollen in der Privatschatulle des Professors gelandet sein. Den Rest habe Schulte unrechtmäßig auf Konten anderer Firmen verschoben. Bis zu 40.000 Anleger haben ihr Geld in Beteiligungsfonds bei Wölbern Invest eingebracht, vor allem in geschlossene Auslandsimmobilienfonds.
Schulte hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Wegen Fluchtgefahr sitzt der Angeklagte seit acht Monaten im Untersuchungsgefängnis.

Bis zu seinem Einstieg bei der kleinen, aber feinen Hamburger Privatbank Wölbern im Jahr 2006 schien dem umtriebigen Arzt alles zu gelingen, was er anpackte. Der gebürtige Rheinländer gründete und leitete das „Endokrinologikum“ mit Hauptsitz in Hamburg-Altona. Der Praxisverbund mit 850 Mitarbeitern an bundesweit 14 Standorten ist vor allem im Bereich Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen sowie Kinderwunschmedizin tätig. Hobbysegler Schulte besitzt Häuser an der Elbchaussee, auf Sylt und im Ausland. Auch als Investor war der Mediziner erfolgreich. Gemeinsam mit Nobelpreisträger Manfred Eigen gehörte er zu den Erstgeldgebern des börsennotierten Hamburger Biotechnologie-Unternehmens Evotec.

40 Millionen Euro sollen in den Taschen des Arztes gelandet sein.

Vor acht Jahren übernahm der Arzt das Bankhaus Wölbern von der südafrikanischen Absa Gruppe. Anfang 2007 spaltete Schulte den Bankbereich ab und behielt nur den Fondsbereich, den er als Wölbern Invest weiterführte. Dabei setzte er auf das bewährte Erfolgsmodell des traditionsreichen Geldhauses, dessen Wurzeln bis 1816 zurückreichen. Bekannt wurde Wölbern vor allem durch seine Hollandfonds, die in niederländische Immobilien investierten.

Seit Anfang 2012 gab es Verwürfe, Einlegerkapital werde zweckentfremdet. Die Jahresabschlüsse mehrerer Fonds waren lückenhaft, das Emissionshaus konnte den Verbleib von Millionenbeträgen nicht erklären. Ende 2012 nahm die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Schulte als Geschäftsführer auf.

Am 23. September 2013 wurde der 60-Jährige dann bei einer Großrazzia in Hamburg festgenommen. 80 Ermittler waren ausgeschwärmt, hatten den Wölbern-Invest-Firmensitz in der HafenCity sowie Schultes Privatwohnungen in Blankenese und Eppendorf durchsucht. Sie trugen insgesamt rund 100 Kisten mit Beweismaterial heraus – offenbar genügend Futter für eine Anklage. Für den Prozess sind 15 Verhandlungstage bis August angesetzt.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen