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Carsten Rodbertus ist wieder da

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sein Windkraft-Projekt ist Pleite / Anleger verloren Millionen / Jetzt sammelt der Ex-Prokon-Chef erneut bei Investoren – „für eine lebenswerte Zukunft“

shz.de von
erstellt am 25.Sep.2014 | 12:14 Uhr

Er kann es nicht lassen: Noch ist die Prokon-Insolvenz nicht abgewickelt, da greift Carsten Rodbertus schon wieder nach dem Geld gutgläubiger Anleger. In einem Schreiben wirbt er für ein Anfang des Monats gegründetes Unternehmen namens „PmK – Projekte mit Konzept für eine lebenswerte Zukunft“. Das Unternehmen sei bereit, „den Weg von Prokon fortzusetzen“, schreibt er. Erstaunlich, denn Prokon-Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin hat unmissverständlich erklärt, Rodbertus habe in dem Itzehoer Wind-Unternehmen nichts mehr zu sagen und dürfe sich somit wohl auch nicht mehr an die Prokon-Anleger wenden.

Doch dass sieht der Pleitier anders. „Es geht nicht darum, dass der Kampf Prokon weitergeführt wird“, erklärte er unserer Zeitung . „Es ist ein Neustart, Schwerpunkte haben wir nicht gesetzt.“ Allerdings geht es auch bei dem neuen Geschäftsmodell vorrangig um erneuerbare Energien. Ausdrücklich nennt Rodbertus in diesem Zusammenhang die Solarenergie und spricht von „kleineren Einheiten“. Den Glauben an die Zukunft hat er nicht verloren: „Ich bringe grundsätzliche Kenntnisse zum Aufbau einer solchen Vertriebsorganisation mit ein“, umschreibt er seine Rolle in dem neuen Projekt. In erwähntem Schreiben an die Anleger habe er sich „mehr oder weniger“ verabschiedet und nun für die PmK geworben. Zugleich zeigte er sich an einem Gespräch mit dem Insolvenzverwalter interessiert, um einen eigenen Weg in die Zukunft zu finden: „In irgendeiner Form muss ich mich um meine Neuorientierung kümmern“, betonte Rodbertus gestern . Es gebe viele Anknüpfungspunkte für gemeinsame Lösungen.

Ganz weggesteckt hat der Ex-Prokon-Chef das Geschehen der vergangenen 12 Monate jedenfalls noch nicht. Ihm droht jetzt die Privatinsolvenz. „Immer mehr Anleger werden durch Beratungen der Anlegeranwälte motiviert, mich privat auf Schadenersatz zu verklagen“. Von der Gesellschaft insgesamt könne man nur enttäuscht sein. Bei Prokon habe es eine „strukturierte Pleite zu Lasten vieler Tausender“ gegeben. Daran, dass 75 000 Anleger viel Geld verloren haben, trage er zwar eine Mitschuld, doch noch sei das letzte Wort in Sachen „Stiller Reserven“ nicht gesprochen. Insgesamt hatten bis 2013 oft betagte Anleger gut 1,5 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte gesteckt. Das Angebot war einfach zu verlockend: Rodbertus hatte ihnen eine Rendite von bis zu acht Prozent versprochen. Jetzt müssen sie wohl rund die Hälfte des Geldes in den Schornstein schreiben.

Immerhin ein Fünftel aller Anleger halten trotz aller Turbulenzen weiter zu Rodbertus und sind jetzt offenbar Adressaten seiner neuen Botschaft. Die lautet ähnlich wie damals, als er um Geld für neue Windräder warb: die Welt verbessern und dabei die Banken außen vor lassen. Sein Angebot richte sich an alle, „die dem herkömmlichen Finanzsystem nicht mehr vertrauen“ und setze auf „direkte bürgernahe Finanzierungen für Unternehmen“ mittels sogenannter Nachrangdarlehen, die mit drei bis fünf Prozent verzinst werden. Die Risiken sind nicht kleiner als bei den Prokon-Genussrechten: Geht die Firma pleite, werden die Ansprüche der Anleger nachrangig bedient. Die schauen dann wieder in die Röhre. „Hände weg von solchen qualifizierten Nachrangdarlehen“, warnt deshalb nicht nur die Verbraucherzentrale in Kiel.

Und noch eins ist gleich geblieben: Rodbertus’ Zorn auf die Medien. Kaum melde er sich zu Wort, springe die „Propaganda-Maschine ohne Moral“ an, beklagt er. „Die respektiert nicht mal, dass man beruflich neu anfängt.“ Aber: „Mundtot wird man mich nicht kriegen.“

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