Bundesbank wirbt für höhere Löhne

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20. Juli 2014, 17:08 Uhr

Gewerkschaften und Arbeitnehmer bekommen für die kommenden Tarifrunden Rückenwind von der Bundesbank. Hatte die Zentralbank jahrelang vor überzogenen Lohnabschlüssen gewarnt, wären ihr angesichts der extrem niedrigen Inflation aktuell höhere Tarifabschlüsse durchaus recht. Bundesbank-Chefvolkswirt Jens Ulbrich sagte dem „Spiegel“, über Jahre hätten die Tarifparteien „sehr verantwortungsbewusst Lohnzurückhaltung“ geübt. Die Lohnentwicklung in Deutschland sei „vor dem Hintergrund der guten konjunkturellen Lage, der niedrigen Arbeitslosigkeit und der günstigen Perspektiven durchaus moderat“. Noch deutlicher sprach sich der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, für spürbare Tarifanhebungen aus. „Wenn man eine längerfristige Perspektive einnimmt, kann die Lohnentwicklung auch für ein, zwei Jahre über den Verteilungsspielraum hinausgehen“, so Fratzscher.

In den vergangenen 15 Jahren seien die Reallöhne von mehr als der Hälfte der deutschen Arbeitnehmer gefallen. Die Tarifgehälter in Deutschland steigen 2014 ohnehin so stark wie noch nie in diesem Jahrtausend. Nach den Abschlüssen im ersten Halbjahr hatte das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung vor kurzem eine durchschnittliche Tarifsteigerung von 3,1 Prozent errechnet. Dieser Wert liegt deutlich oberhalb der erwarteten Inflationsrate, weshalb hohe Reallohnsteigerungen anstehen.

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