zur Navigation springen

Bund zieht Lehren aus Prokon-Pleite

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Werbung und Vertrieb von Finanzprodukten auf dem grauen Kapitalmarkt sollen künftig stärker reguliert werden

Das Unternehmen ist seit vier Monaten pleite – doch die Werbung hängt noch immer in U- und S-Bahnen quer durch die Republik. Von einer „Kapitalanlage in erneuerbare Energien mit attraktiver Verzinsung“ schwärmen die Reklameschilder des Itzehoer Windkraft-Investors Prokon und verheißen „sechs Prozent Grundverzinsung“ bei „monatlicher Kündigungsmöglichkeit“. Von Risiken beim Kauf der sogenannten Genussscheine ist nicht die Rede. 75 000 Menschen haben den Versprechungen von Prokon in den letzten Jahren geglaubt und 1,4 Milliarden Euro angelegt – von denen nun zumindest ein großer Teil verloren ist.

Damit sich solch ein Desaster nicht wiederholt, will die große Koalition nun den kaum beaufsichtigten „grauen Kapitalmarkt“, auf dem sich Finanzierer wie Prokon tummeln, besser kontrollieren. „Ein Fall, wie wir ihn bei Prokon hatten, kann künftig so nicht mehr vorkommen“, versprach Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD), als er gestern zusammen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen gemeinsamen „Aktionsplan“ für einen besseren Anlegerschutz vorstellte. Unter anderem soll der Vertrieb von Graumarkt-Produkten stärker reguliert und von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) kontrolliert werden.

Bisher müssen Finanzierer kaum auf Risiken ihrer Anlagen hinweisen. Prokon etwa hat für die Genussscheine ausschließlich in rosigsten Farben geworben. „Eine hohe Rendite für einen guten Zweck wie die Energiewende – das ist natürlich auf den ersten Blick für viele Leute lukrativ“, sagte Maas. Dass Genussscheininhaber im Konkursfall nur nachrangig zum Zuge kommen, kam in der Prokon-Kampagne nicht vor. Künftig soll das anders werden: „Risiken werden deutlicher hervortreten“, verkündete Maas.

So müssen Anbieter künftig Mindestlaufzeiten und ausreichende Kündigungsfristen angeben. „Die Bewerbung von Finanzprodukten mit der Aussicht auf kurzfristige Rückzahlung der Einlage im Bedarfsfall ist damit nicht länger möglich“, schreiben Maas und Schäuble in ihrem Aktionsplan. Auch müssen Wertpapierfirmen Auskunft über die Fälligkeit noch laufender Geldanlagen geben. „Damit soll der Vorspiegelung einer nicht vorhandenen wirtschaftlichen Produktivität und unzulässigen Schneeballsystemen entgegengewirkt werden“, steht im Aktionsplan.

Zudem sollen Finanzierer vorab festlegen, für welche Kundengruppe sich ein Produkt eignet. Und sie dürfen nur noch in solchen Medien werben, „deren Schwerpunkt auf der Darstellung wirtschaftlicher Sachverhalte liegt“ – also wohl kaum in der U-Bahn. Verstößt ein Anbieter gegen die Vorgaben, schreitet die Aufsichtsbehörde ein: „Die Bafin kann Werbung beschränken oder verbieten oder gleich den ganzen Vertrieb untersagen“, kündigte Maas an. Auch Warnhinweise für Finanzprodukte sind möglich.

Hätten die neuen Regeln schon bisher gegolten, „wären viele Tausend Menschen nicht auf die geschickte Werbung von Prokon hereingefallen – weil es die Werbung gar nicht gegeben hätte“, sagte Maas. Ganz aus der Verantwortung entlassen wollen die beiden Minister die Kunden allerdings auch nicht, erklärte Schäuble: „Der Anleger muss wissen, dass Rendite immer mit Risiko zu tun hat.“


zur Startseite

von
erstellt am 22.Mai.2014 | 13:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert