Brüssel jagt betrügerische Bio-Bauern

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Mit schärferen Auflagen und Kontrollen will die EU-Kommission für saubere Bioprodukte sorgen / Boombranche verlocke sonst zum Betrug

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25. März 2014, 12:37 Uhr

Gepanschter Wein, verunreinigte Baumwolle, falsch deklarierte Eier: Die EU-Kommission will schwarzen Schafen in der europäischen Biobranche das Leben schwerer machen. Bioprodukte sollen zuverlässiger werden. Schärfere Auflagen und Kontrollen sollen sicherstellen, dass Bioprodukte tatsächlich „bio“ sind. Eine entsprechende Reform der europäischen Öko-Verordnung stellte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos in Brüssel vor. Das Vorhaben benötigt noch die Zustimmung von Europaparlament und EU-Staaten. Die Ökobranche fürchtet bereits, dass zu strenge Auflagen kleinen Biobauern das Leben schwer machen könnten.

So schlägt die Kommission unter anderem vor, bestehende Ausnahmen, beispielsweise bei Kontrollen entlang der gesamten Produktions- und Lieferkette, abzuschaffen und so für EU-weit gleich hohe Qualitätsansprüche zu sorgen. Für Kleinlandwirte sollen bürokratische Hürden abgebaut werden, um ihnen den Zugang zur ökologischen Produktion zu erleichtern. Eingeschränkt werden soll der legale Einsatz konventioneller Erzeugnisse innerhalb dieser Kette, etwa Futtermittel. Auch die Grenzwerte für den Pestizid- und Gentechnik-Einsatz sollen strenger werden. Der Bio-Markt in der EU hat sich in den vergangenen zehn Jahren vervierfacht.

In dem boomenden Markt sei „die Versuchung groß, mit Betrug auf die erhöhte Nachfrage zu reagieren“, hatte Dacian Ciolo, EU-Kommissar für Landwirtschaft und die Entwicklung des ländlichen Raumes, bereits beim Treffen der EU-Landwirtschaftsminister am Montag in Brüssel gesagt. Damit solle Schluss sein: „Wir müssen das Vertrauen der Verbraucher stärken.“ Die EU-Behörde schlägt nun eine Reform der EU-Bio-Richtlinie vor und will die Branche zu einer Neuausrichtung zwingen. Auch die Weiterverarbeitung und der Vertrieb sollen einer strengen Aufsicht unterliegen: „Wir brauchen Kontrollen genau dort, wo das größte Risiko besteht“, sagte Ciolos. Der Kommissar weiter: „Dieses Paket kommt Verbrauchern und Landwirten gleichermaßen zugute. Die Verbraucher erhalten Garantien für in der EU erzeugte und verkaufte Bio-Produkte, und die Landwirte, Erzeuger und Verkäufer erhalten Zugang zu einem größeren Markt.“

Vertreter der Biobranche unterstreichen , dass sie an Verunreinigungen ihrer Produkte oft nicht selbst schuld seien. „Pestizide gelangen durch Abdrift von Nachbarfeldern sowie durch Wind und Regen auf Bio-Ware“, erklärte der Verein Bioland. Zusätzlich zu einer strengeren Öko-Verordnung müsse es daher auch schärfere Regeln für konventionellen Landbau geben. Auch die Bundesregierung zeigte sich nicht vollends überzeugt: „Wir werden uns den Vorschlag genau anschauen“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) in Berlin. „Auf keinen Fall dürfen wir riskieren, dass die Betriebe aufgrund überzogener Forderungen reihenweise aus dem ökologischen Landbau aussteigen.“

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