Plastikfrei bis 2023 : Britische Supermarktkette „Iceland“ sagt Plastik den Kampf an

„Iceland“ hat sich auf Tiefkühlprodukte spezialisiert.
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„Iceland“ hat sich auf Tiefkühlprodukte spezialisiert.

In Plastik verpackte Eigenmarken sollen binnen fünf Jahren Geschichte sein. Unterstützung gibt es von Greenpeace.

shz.de von
16. Januar 2018, 12:22 Uhr

Betritt man einen Supermarkt so ist das, was im Einkaufskorb landet, meist in Plastik eingepackt. An der Kasse hingegen hat man als Verbraucher häufig nur noch die Wahl zwischen Papier- oder Stofftüte. Plastik ist zumindest dort out. Die britische Supermarktkette „Iceland“ geht jetzt noch einen Schritt weiter. Sie will bis 2023 alle Plastikverpackungen von Produkten ihrer Eigenmarke durch recycelbare Materialien wie Papier und Zellstoff ersetzen.

„Es gibt keine Entschuldigung mehr für übermäßige Verpackungen, die unnötigen Müll produzieren und unserer Umwelt schaden“, sagte „Iceland“-Chef Richard Walker in einer Mitteilung des Unternehmes am Dienstag. Man wolle einen wichtigen Schritt machen, die eine Millionen Tonnen Plastik, die jährlich in Großbritannien durch Supermärkte anfallen, zu reduzieren. „Jede Minute wird eine Lkw-Ladung Plastikmüll in unsere Ozeane gekippt“, sagt Walker. In einer Umfrage unter Konsumenten hätten 80 Prozent von 5000 Befragten einen plastikfreien Supermarkt befürwortet.

Kritik handelt sich das Unternehmen dennoch ein, denn nur die Eigenmarken sollen künftig ökologischer verpackt in den Regalen liegen. Markenprodukte würden weiterhin in Plastik verpackt, daher sei das Vorhaben Augenwischerei, meldeten sich erste Stimmen zu Wort.

 

Allerdings: Das Unternehmen hatte sich bei dem Vorhaben von der Umweltschutzorganisation Greenpeace beraten lassen. Greenpeace forderte andere Supermarktketten auf, dem Beispiel von „Iceland“ zu folgen. „Jetzt ist es an anderen Einzelhändlern, die Herausforderung anzunehmen. Die Flut der Plastikverschmutzung wird nur zurückgehen, wenn sie den Hahn abdrehen“, sagte der Greenpeace-Chef in Großbritannien, John Sauven, einer Mitteilung zufolge. Obwohl das Ausmaß des notwendigen systemischen Wandels bekannt sei, seien die Antworten der Händler bislang nur zurückhaltend und bruchstückhaft erfolgt.

Erst vergangene Woche hatte die britische Premierministerin Theresa May angekündigt, den Verbrauch von Plastik im Land bis 2042 drastisch zu senken – unter anderem durch die Erhebung von Abgaben auf nicht recycelbare Verpackungen. Auch EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger will die Einführung einer europaweiten Plastiksteuer prüfen. „Iceland“ gehört zu den kleineren Supermarktketten in Großbritannien, ist aber eigenen Angaben zufolge Marktführer bei gefrorenen Lebensmitteln.

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