Nach Rücktritten von Fitschen und Jain : Brite John Cryan übernimmt Ruder bei der Deutschen Bank

Die Kritik war wohl zu heftig und die Erfolge überschaubar: Die Co-Chefs der Deutschen Bank, Fitschen und Jain, kündigen ihren Abgang an. Ein Brite soll das Geldhaus nun wieder in die Spur bringen. Wer ist er?

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08. Juni 2015, 13:07 Uhr

Frankfurt am Main | Die Tage der Doppelspitze bei Deutschlands größter Bank sind gezählt: Spätestens im kommenden Frühjahr wird die Deutsche Bank wieder von einem einzigen Vorstandschef regiert, dem Briten John Cryan. Der 54-jährige soll bereits in rund drei Wochen Anshu Jain an der Spitze des Geldhauses ersetzen und die Bank für eine Zwischenzeit dann noch mit dem anderen Co-Chef Jürgen Fitschen führen.

Nach heftiger Kritik an ihrem Kurs hatten Fitschen und Jain am Sonntag ihren überraschenden Rücktritt angekündigt. Jain wird sich bereits zum 30. Juni 2015 zurückziehen, Fitschen zum Abschluss der Hauptversammlung im Mai 2016. Milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten, eine unrühmliche Vergangenheit und eine maue Aktienkursentwicklung: Das Duo Jain/Fitschen sah sich seit Jahren Kritik aus vielen Richtungen gegenüber. Bei der Hauptversammlung im Mai räumten beide auch selbst ein, dass ihre bisherige Amtszeit seit Juni 2012 keine reine Erfolgsgeschichte gewesen sei. Der Abbau von Altlasten sei teurer und dauere länger als gedacht. Zudem habe das Management die neuen Vorgaben der Aufseher weltweit unterschätzt. Die Aktionäre überzeugte auch die neue Strategie nicht. Sie zeigten dem Führungsduo die gelbe Karte: Jain und Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet.

Wer ist der neue Mann an der Spitze der Deutschen Bank?

John Cryan, der bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten ist, wurde zum 1. Juli 2015 zum Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank ernannt. Nach Fitschens Ausscheiden soll Cryan alleiniger Vorstandschef der Bank werden.

John Cryan (54) ist der neue starke Mann bei der Bank. Er sitzt seit 2013 im Aufsichtsrat des Instituts. Der Brite ist Vorsitzender des Prüfungsausschusses und Mitglied des Risikoausschusses. Mit Amtsantritt als Co-Vorstandsvorsitzender wird er sein Mandat als Mitglied des Aufsichtsrats der Bank niederlegen. Cryan war von 2012 bis 2014 Präsident Europa von Temasek, dem Staatsfonds Singapurs. Von 2008 bis 2011 - und damit inmitten der Finanzkrise - war er Finanzvorstand der UBS.

Nach dem Studium an der Universität Cambridge startete er seine Karriere 1982 bei den Wirtschaftsprüfern von Arthur Andersen in London, seit 1987 hatte er verschiedene Funktionen im Corporate-Finance-Geschäft und in der Kundenberatung von UBS und SG Warburg inne.

Der Aufsichtsrat habe Jain gebeten, bis Januar 2016 als Berater der Bank zur Verfügung zu stehen. Fitschen soll einen geregelten Übergang sicherstellen und bis zum Abschluss der Hauptversammlung am 19. Mai 2016 im Amt bleiben.

Jain erklärte, es sei für ihn nach der Aufstellung der neuen Strategie „zu diesem Zeitpunkt die richtige Entscheidung für die Bank und für mich, eine neue Führung zu etablieren“. Das Ende April vorgestellte Konzept sieht vor allem eine Schrumpfkur im Privatkundengeschäft und eine Trennung von der Postbank vor. Cryan sagte: „Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren.“

In den internationalen Kommentaren zum überraschenden Führungswechsel bei der Deutschen Bank gibt es viel Zustimmung für den künftigen Chef John Cryan. Die Herausforderung des Kulturwandels bei dem Institut bleibe aber groß.

„New York Times“ (USA): Cryan ist klug und sachbezogen und - vielleicht am wichtigsten - er weiß, wie man eine große Bank dazu bringt, bittere Pillen zu schlucken. (...) Als Außenstehender ist John Cryan unbefleckt von den rechtlichen Problemen, die den Ergebnissen der Deutschen Bank und ihrem Ruf schaden. Anshu Jain musste sich der Frage stellen, ob jemand, der dem Investmentbanking so nahe steht, der Richtige sein kann, um mit den Vorwürfen aufzuräumen. Die meisten Anschuldigungen richten sich gegen das Investmentbanking, das Jain führte, bevor er Vorstandschef wurde.

„Les Echos“ (Frankreich): Wie vorherzusehen in den letzten Wochen, hat das Duo am Kopf des Vorstands der Deutschen Bank seit 2012 diesen Sonntag seinen Abgang bestätigt. (...) Die schlechten Ergebnisse an der Börse brachten ihnen eine Flut von Kritik seitens der Aktionäre. Kleine wie große Investoren gaben immer weniger dem aktuellen Führungsduo ihr Vertrauen.

„Le Monde“ (Frankreich): Überraschender Rücktritt der Deutsche-Bank-Chefs. Die Deutsche Bank ist erschüttert von einem Skandal-Regen in der ganzen Welt und von schwachen Resultaten.

„Libération“ (Frankreich): Das ist ein neuer, sehr harter Schlag für die Deutsche Bank.

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