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Kgalagadi Frontier National Park : Botswana verkauft Fracking-Rechte in Nationalpark

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Aus der Onlineredaktion

Der Kgalagadi Nationalpark ist ein sensibles und artenreiches Ökosystem. 2014 hat die Regierung die Hälfte des Parks verkauft.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 15:10 Uhr

Kgalagadi | Der „Kgalagadi Transfrontier National Park“ in Botswana und Südafrika ist ein Naturschutzgebiet in der Kalahariwüste. Er ist bekannt für seine Löwen, die sich die Fläche von 38.000 Quadratkilometern mit zahlreichen anderen Arten teilen. Darunter sind Oryxantilopen, Springböcke, Gnus, Giraffen oder Springhasen. Ein unberührtes Naturparadies könnte man denken. Wie die britische Zeitung „Guardian“ berichtet, hat die Regierung in Botswana still und heimlich mehr als die Hälfte des Nationalparks für das Fracking von Schiefergas verkauft.

Beim Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, um Gestein aufzubrechen und eingeschlossenes Gas oder Öl besser fördern zu können. Kritiker fürchten, dass dabei das Trink- oder Grundwasser verseucht werden kann.

Naturschützer und führende Nationalpark-Manager wurden laut Bericht nicht informiert und sind nun besorgt, welche Auswirkungen die Gasbohrungen auf die Flora und Fauna haben werden.

Die Lizenzen für das Fracking hatte im September 2014 eine in Großbritannien gelistete Firma mit dem Namen „Nodding Donkey“ (deutsch: nickender Esel) erworben. Im Novmeber 2015 hatte der Konzern seinen Namen in „Karoo Energy“ geändert.

Parkoffizielle berichten, dass es bisher keine Bohrungen gegeben hatte. Laut Informationen des Guardian wurden an einem beliebten Campingplatz jedoch ölige Sedimente entdeckt. Dampf und der Gestank von Teer ließen darauf schließen, dass bereits gebohrt wurde. Noch ist nicht bekannt wer dort wann mit Bohrungen begonnen hat.

Was bedeutet Fracking?

Fracking (Hydraulic Fracturing, aus dem Englischen: to fracture = aufbrechen, aufreißen) ist ein Verfahren zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl aus unkonventionellen Lagerstätten in 1000 bis 5000 Metern Tiefe. Dabei wird mit hohem Druck unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien das Gestein so aufgebrochen, dass Gas und Öl durch die Risse über Bohrrohre an die Oberfläche gelangen kann. Das Verfahren ist wirtschaftlich und politisch interessant geworden, um unabhängiger von Erdöl- und Erdgaslieferungen aus dem Ausland zu werden. In Deutschland wittert unter anderem der US-Konzern ExxonMobil ein lukratives Geschäft, nachdem das Unternehmen in den USA bereits Erfolge mit Gas-Fracking erzielt hat.

Warum ist Fracking so umstritten?

Die Auswirkungen der beim Fracking eingesetzten Chemikalien auf Natur und Umwelt, zum Beispiel auf das Grundwasser, sind nicht abzusehen. Umweltschützer befürchten eine Verunreinigung des Trinkwassers. Das Umweltbundesamt (UBA) sieht darüber hinaus Probleme bei der Entsorgung des anfallenden Abwassers (Flowback). Da die ökologischen Risiken schwer abzuschätzen sind, empfiehlt das UBA strenge Auflagen für den Einsatz der Technologie. Die Landesregierung Schleswig-Holstein lehnt Fracking deswegen komplett ab.

Gibt es auch in Deutschland solche Erdgas-Lagerstätten?

Ja, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - aber in geringerer Konzentration auch in Schleswig-Holstein. Sie befinden sich in Schiefertonformationen, Kohleflözen und dichten Sandsteinformationen. Studien gehen davon aus, dass der deutsche Gasbedarf mit den Vorkommen bis zu 27 Jahre lang gedeckt werden könnte. Allerdings gelten 14 Prozent der Fläche als Wasserschutzgebiete, somit ist das Förderpotenzial weit geringer.

Warum wird die Suche nach möglichen Fracking-Standorten nicht einfach abgelehnt?

Die Ursache liegt im veralteten Bergrecht, das den rechtlichen Rahmen für den Abbau von Bodenschätzen bildet. Darin ist auch festgehalten, dass Energieunternehmen grundsätzlich einen Anspruch auf Aufsuchungserlaubnis haben. (Dazu eine Übersicht der Landesregierung SH. Siehe vor allem Punkt 9)

Gibt es Länder, in denen Fracking das Grundwasser bereits verschmutzt hat?

In den USA kam es nach Medienberichten aufgrund unzureichender Umweltgesetze und technischer Unzulänglichkeiten zu Grundwasserbelastungen und regionalen Beeinträchtigungen der Trinkwasserversorgung.

Was führen die Befürworter von Fracking an?

Durch Fracking sind die Fördermengen von Öl und Gas in den vergangenen Jahren stark gestiegen.  In den Jahren 2005 bis 2013 stieg die Gasförderung in den USA um 30 Prozent. Fast  die Hälfte ihres  Ölverbrauchs können die USA inzwischen durch eigene Produktion decken. (Statistik zur Förderung und zum Verbrauch) Dadurch sind auch für deutsche Verbraucher die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl spürbar nach unten gegangen. Die Abhängigkeit vom politisch labilen Nahen Osten werde durch Fracking verringert, argumentieren die Befürworter. Die westlichen Industrieländer seien dadurch in der Lage, einen größeren Anteil ihres Energiebedarfs zu decken. Außerdem seien die Gefahren, die Fracking angeblich mit sich bringt, nicht so groß, wie oft angenommen. Seriöse Wissenschaftlicher halten jedoch dagegen.

Wie sieht es in Deutschland aus?

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel wollten die Technik zur Förderung von Erdgas und Erdöl mit Auflagen erlauben. Fracking solle nur oberhalb von 3000 Metern Bodentiefe stattfinden.

Doch die Mehrheit der Länder lief Sturm. Sie wollen Fracking komplett verbieten. Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) kritisierte die Pläne des Bundes schon lange. Er konnte andere Länder im Umweltausschuss des Bundesrates von seiner Meinung überzeugen

Beim Fracken wird Wasser in den Boden gepresst, um Gesteinsschichten aufzubrechen und das darin enthaltene Gas oder Öl fördern zu können. Das Wasser wird dabei mit Chemikalien versetzt – beim unkonventionellen Fracken mit mehr, beim konventionellen mit wenig

 

Der Wissenschaftler Gus Mills arbeitet seit mehr als 18 Jahren in Kgalagadi und studiert dort Hyänen und Geparden. Er ist besorgt über den Eingriff in das sensible Ökosystem. „Die Entwicklung hier vor Ort ist ein weiterer Nagel im Sarg geschützter Tierwelten auf diesem Planeten“, sagt Mills. Der Wissenschaftler Peter Apps befürchtet weitreichende Folgen vor allem für die Wasserressourcen im Park. Apps beobachtet Raubtiere für den Botswana Predator Conservation Trust, einem wissenschaftlichen Projekt, welches sich mit den Lebensräumen, Verhalten und der Kommunikation der größeren Raubtiere im Park befasst. Große Fleischfresser würden besonders unter der kommerziellen Gasförderung im Park leiden, ist sich Apps sicher.

Ben van Erden, Tourismusmanager für den südafrikanischen Teil des Parks wusste nichts vom Verkauf von Lizenzrechten. Auch sein Kollege, Leabaneng Bontshetse, Parkmanager in Botswana, bestreitet, dass Rechte verkauft wurden. Im Park würde keine Firma bohren. Dass die Regierung bereits Lizenzen ausgegeben habe, schockiert Bontshetse. Eine Karte zeigt, dass mehr als die Hälfte des Parks für gasfördernde Unternehmen zum Verkauf angeboten wurde. Karoo Energy hatte im September 2014 drei Lizenzen durch seine Tochterunternehmen „Equatorial Oil“ und „Tamboran“ erworben.

Tourismus ist in Botswana der zweitgrößte Wirtschaftszweig nach der Förderung von Diamanten. 32.000 Menschen arbeiten in der Branche. Mills ist sicher, dass die Entwicklungen im Park künftig für geringere Touristenzahlen sorgen werden.

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