Blutspenden per App

Nikita Segal (von links), Jonas Reinhardt, Kathrin Boersch und Benno Lauther revolutionieren die Blutspende.
Nikita Segal (von links), Jonas Reinhardt, Kathrin Boersch und Benno Lauther revolutionieren die Blutspende.

Kieler Start-Up will Jüngere zum Mitmachen motivieren / Kooperation mit dem UKSH in Kiel und Lübeck

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06. Dezember 2020, 19:11 Uhr

Kiel | Die Zukunft des Blutspendens entsteht in der Landeshauptstadt. Hier haben sich vier Kieler zusammengeschlossen, um alles rund um die eigentliche Blutspende zu digitalisieren. Dabei geht es natürlich nicht um die Spende als solches. Aber die Terminabsprache und auch sonstige Fragen rund um das Blut lassen sich digitalisieren.

Dazu gründeten sie die Firma „Tricode“. Unter diesem Namen entwickelten Jonas Reinhardt (27), Benno Lauther (26), Kathrin Boersch (31) und Nikita Segal (27) die App „Statusplus Blutspende“. Mit dieser haben sie nun den „Kreativpiloten 2020“-Preis gewonnen. Gegründet wurde das Unternehmen noch während des Studiums an der FH Kiel. Hier ist Segal auch weiterhin eingeschrieben. Reinhardt hat mittlerweile seinen Abschluss.

„Unser Ziel ist es, gerade die Gruppe der 18- bis 30-Jährigen zum Blutspenden zu motivieren“, erklärt Jonas Reinhardt. Seiner Ansicht nach klappt das am besten über das Smartphone. „Fast jeder hat ein Smartphone. Es ist schnell, verfügbar und günstig, dann die Spender über eine App zu erreichen“, so Reinhardt. Die App, die sowohl für Android- als auch für Applegeräte bereitgestellt wurde, beinhaltet dabei mehrere Teilbereiche. So wird die Spende vor- und nachbereitet.

So kann man in der App beispielsweise sieben Fragen beantworten, die die Spendetauglichkeit abfragen. „Das ersetzt auf keinen Fall den Spenderfragebogen. Es ist aber ein guter Hinweis darauf, ob es sich lohnt, loszugehen“, erklärt Reinhardt. Zeitersparnis ist den Entwicklern ein besonderes Anliegen. „Kaum jemand hat Zeit, mehrere Stunden zu warten. Das kann man mit unserer App verhindern“, erklärt er. So ist es nämlich möglich, direkt einen Spendetermin zu vereinbaren. Auch nach der Spende bleibt die App nützlich. So werden hier die Blutwerte des Nutzers ausgespielt. Diese Werte werden dann auch für jeden verständlich aufbereitet. „Wir haben kleine Infotexte dazu, die erklären, was welcher Wert bedeutet“, erklärt Reinhardt. Zudem zeigt die App einem an, wann man wieder zur Spende gehen darf.

Zudem bekommen die Spender angezeigt, wann ihre Spende benutzt wurde. „Das gibt ein unfassbar gutes Gefühl zu wissen, dass meine Spende ein Leben gerettet hat“, sagt er. Jeder vierte Deutsche sei einmal im Leben auf eine Blutspende angewiesen. Aber nur 33 Prozent der Deutschen sind geeignete Spender. Und von diesen würden nur drei Prozent überhaupt Blut spenden. Die App soll dazu beitragen, diesen Wert zu erhöhen.

Doch auch für die Kliniken bietet die App eine Annehmlichkeit. So können sie an Spender bestimmter Blutgruppen gezielt Push-Nachrichten senden, wenn sie merken, dass ihnen entsprechendes Blut ausgeht.

Aktuell ist die App nur in Schleswig-Holstein nutzbar. Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist die einzige Klinik, die momentan auf die Dienste zurückgreift. Jedoch an beiden Standorten. Somit ist die App sowohl für Kieler als auch für Lübecker Spender nutzbar. 7500 Spender sind in der App registriert. „Unser Ziel ist es, zu wachsen“, erklärt Reinhardt. Deshalb sei man mit zwölf weiteren Kliniken in Deutschland in Kontakt. Die dahinter stehende Hoffnung ist, die App auch auf diese Kliniken auszuweiten.

Das Kieler Start-Up gewinnt momentan einen Preis nach dem anderen. „Rentabel ist das Ganze aber noch nicht“, erklärt Reinhardt, der verspricht, dass sie für die Nutzer kostenlos bleiben wird.

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