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Verzicht auf Tierprodukte : Bloß kein Tier auf dem Teller: Peta wirbt an Schulen für vegane Ernährung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Peta will schon die Kleinsten zu einem veganen Leben animieren. Das Ministerium ist alarmiert.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 09:42 Uhr

Kiel | Eltern von Grundschulkindern müssen jetzt ganz tapfer sein: Sollten die Schulen tatsächlich das Unterrichtsmaterial nutzen, das ihnen die Tierschutzorganisation Peta in diesen Tagen zuschickt, wird es zu Hause ungemütliche Diskussionen geben. Egal, ob der Vater jagt oder die Mutter angelt, mittags Fleisch auf den Tisch kommt oder abends Wollsocken angezogen werden – der Nachwuchs wird vermutlich schwerst revoltieren und auf eine Änderung der familiären Lebensweisen drängen. Schließlich fährt Peta scharfes Geschütz auf.

So heißt es zum Beispiel in einem Flyer für den Schulunterricht, Jäger behaupten, Tiere zu lieben. „Aber wer quält und tötet, kann kein Tierfreund sein“. Jäger seien überflüssig, wird den Kids beigebracht, die Natur reguliere alles am besten selbst.

Tiere sind unsere Freunde

Auch Bauern, Schäfer, Gastronomen oder Feinschmecker, die gelegentlich eine Frikadelle oder eine Forelle auf dem Teller haben wollen und sich morgens Milch übers Müsli gießen, müssen sich warm anziehen. Kuhbabys werden von den Müttern getrennt, vereinsamen und sind traurig. „Und all das nur, weil Menschen die Milch von Kühen trinken wollen. In einer gerechten Welt würde diese Milch den Kälbern gehören – und die Schafswolle den Schafen.“

Offen geworben wird deshalb für ein veganes Leben. Im Wortlaut: „Tiere sind Freunde. Aus diesem Grund ernähren sich viele Menschen nur noch rein pflanzlich. Veganer, so nennt man Menschen, die sich ausschließlich pflanzlich ernähren, retten jedes Jahr mindestens 48 Tieren das Leben! Denn Tiere nicht aufzuessen ist eine der leichtesten Möglichkeiten, wie du Tieren helfen kannst. Und du rettest so nicht nur Tiere, sondern nebenher auch noch das Klima und die Umwelt. Sozusagen ist jeder Veggie schon ein kleiner Held!“

Tierrechte sollen in die Lehrpläne integriert werden

Die Peta-Jugendschutzbeauftragte Sylvie Bunz bittet alle Schulleiter, das Thema Tierrechte im Rahmen der Umweltbildung verstärkt in die Lehrpläne zu integrieren. „Kinder haben ein Recht darauf, die Wahrheit über das Leben und Leiden von Tieren zu erfahren“, schreibt Bunz an die Schulen.

Ministerium ist alarmiert

Und was sagt das Kieler Bildungsministerium dazu? Das ist alarmiert. „Wir werden den Vorgang fachlich und rechtlich prüfen“, sicherte am Wochenende Ministeriumssprecherin Patrizia Zimnik zu. Es werde unter anderem kontrolliert, ob das Peta-Lehrmaterial „dem Lehrplan in Schleswig-Holstein zuwider läuft“. Zudem erinnert das Ministerium daran, dass es Kooperationen mit dem Bauernverband gibt, um das Schülerinteresse an der Landwirtschaft zu wecken.

„Die Schulen werden derzeit mit Informationsmaterial aller möglichen Institutionen zugeschüttet“, beklagt Zimnek. Die Adressdaten der 468 Grundschulen im Norden könne sich jeder beim Statistikamt als Excel-Tabelle kaufen. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Mist die Schulen auf diesem Wege erreicht“, sagt die Sprecherin. Normalerweise seien die Lehrer sehr wohl in der Lage, selbst zu entscheiden, ob sich etwas als ergänzendes Unterrichtsmaterial eigne oder nicht. Mitunter werde auch bei der Schulaufsicht nachgefragt, wie man damit umzugehen habe.

Statement für die nächsten Tage geplant

Zum Thema Peta will sich das Ministerium in den nächsten Tagen äußern. Schon jetzt steht aber fest, dass die Peta-Werbekampagne für ein veganes Leben im Widerspruch steht zu den Empfehlungen namhafter Fachverbände. „Da sich mit dem Verzicht auf jegliche tierische Lebensmittel das Risiko für Nährstoffdefizite erhöht, hält die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine rein pflanzliche Ernährung im gesamten Kindesalter für nicht geeignet, um eine adäquate Nährstoffversorgung und die Gesundheit des Kindes sicherzustellen“, heißt es in einer Stellungnahme. Auch Kinderärzte sind skeptisch und befürchten verzögertes Wachstum, Gehirnschäden und Blutarmut.

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