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Bio-Branche auf Suche nach der Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eröffnung der weltgrößten Öko-Messe / Umweltschützer und Bio-Anbauverband warnen vor Folgen verschärfter EU-Regeln

Auf der weltweit größten Öko-Messe Biofach in Nürnberg zeigt die Branche seit gestern die Vielfalt zertifizierter Bio-Waren. Die Messe feiert bereits ihr 25. Jubiläum, Bio hat sich in vielen Ländern etabliert – Zeit, um mit „Organic 3.0“ eine neue Phase einzuläuten, finden die Vordenker der Bewegung. Dabei gehe es nicht nur um die Landwirtschaft mit ihren Erträgen und Märkten, sondern um ein ganzheitlicheres System, erläuterte der Präsident des weltweiten Bio-Dachverbands IFOAM, Andre Leu, gestern bei der Eröffnungsfeier der Messe. Die Branche benötige einen gesamtgesellschaftlichen Ansatz. „Wir müssen die Landwirtschaft mit den Menschen zusammenbringen, mit allen Nachhaltigkeitsaspekten: Ökonomie, Ökologie, Kultur und gesellschaftlichen Aspekte“, sagte Leu. „Es geht darum, dass wir unsere Vision erweitern, dass wir als Bewegung ein wirklich nachhaltiges, ganzheitliches System entwickeln.“

In Bezug auf die für Ende März zur Veröffentlichung vorgesehene Revision der seit 2009 geltenden EG-Öko-Verordnung fürchtet Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), eine „Verschärfung des Regelwerks in die falsche Richtung“.

Die Verordnung definiert, wie Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, erzeugt und hergestellt werden müssen. Der Bedarf an ökologischen Lebensmitteln liegt laut aktuellen Konsumstudien bei 25 Prozent.

Angesichts eines über mehrere Jahre abgesunkenen und erstmalig 2012 wieder leicht angestiegenen Anteils der ökologisch bewirtschafteten Flächen im Land auf derzeit rund vier Prozent könne laut Walenda eine falsche Prioritätensetzung bei der Verordnung zum erneuten Einbruch führen. „Man hört ja so einiges. Wenn etwa die ohnehin schon hohen Grenzwerte für Schadstoffe oder Anteile von Gentechnik hochgesetzt werden, gehen in Zukunft weniger Betriebe in die Umstellung oder kehren zur konventionellen Landwirtschaft zurück.“

Aufgrund der Knappheit von Flächen nicht zuletzt als Folge des zunehmenden Mais-Anbaus und der deswegen extrem hohen Preise n sowie durch den zusätzlichen Druck durch günstigere Bio-Produkte aus Dänemark, Österreich und der Schweiz hätten es Biobauern immer schwerer zu überleben. Die wesentlich höheren Anforderungen benachteiligten jene zudem gegenüber der konventionellen Landwirtschaft maßgeblich. Eine Neufassung der Verordnung könne bei falscher Prioritätensetzung zur weiteren Steigerung der Herstellungskosten führen. „Mit der Erhöhung der Förderprämie, der Wiedereinführung der Beibehaltungsprämie und der Einführung des Kompetenznetzwerks für Ökolandbau hat die jetzige Landesregierung schon viel richtig gemacht“, so Walenda. Sie fordert allerdings zusätzlich, die Rahmenbedingungen der konventionellen Landwirtschaft denen der ökologischen Landwirtschaft ein Stück weit anzupassen. „Durch diese Angleichung wäre der Anreiz für konventionelle Betriebe noch größer, auf Ökolandbau umzustellen.“ Dies sei auch der einzige Weg, den Flächenanteil zu vergrößern.

Eine gezielte Lobbyarbeit gegen die Biobauern in Hinsicht auf eine verschärfte EG-Öko-Verordnung befürchtet Jan-Uwe Klee, Geschäftsführer des Bio-Landbau-Verbands Demeter im Norden. Zwar seien ihm aus den vergangenen Jahren keine Rückumstellungen bekannt. „Aber die Grenzwerte etwa für Pestizide sind jetzt schon so hoch, bei einer weiteren Erhöhung wären die Folgen massiv.“ Da wäre der Wille zur Umstellung bei vielen Bauern nicht mehr da, dies sei offenbar gewollt.

Der Landesbauernverband sieht hingegen die Konsumenten als Entscheider. „Die Nachfrage ist zwar da, aber viele Verbraucher wollen nicht mehr bezahlen“, so Sprecher Klaus Dahmke. Wenn auf der anderen Seite Biobetriebe unter den gegebenen Umständen nicht Gewinn bringend produzieren könnten, müssten sie sich „überlegen, ob sie auf dem richtigen Weg sind“. Eine Angleichung der Regeln des konventionellen Anbaus an die ökologische Landwirtschaft lehnt Dahmke ab. „Der Standard ist schon sehr hoch.“ Dahmke spricht sich allerdings auch gegen eine Verschärfung der EG-Öko-Verordnung in Hinsicht auf Schadstoffe aus. „Das erschließt sich mir nicht. Auch für Biobauern sind gewisse Umwelteinflüsse nicht zu vermeiden.“

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erstellt am 12.Feb.2014 | 16:50 Uhr

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