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Günstige Ticketpreise : Billigflieger verschärfen Preiskrieg am Himmel

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

An Europas Himmel wird derzeit auch wegen des geringen Kerosinpreises richtig Geld verdient. Am profitabelsten ist der Billigflieger Ryanair, der mit einem schnellen Ausbau die Konkurrenz weiter unter Druck setzen will.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2016 | 11:31 Uhr

Ryanair-Chef Michael O’Leary ist angesichts seines Rekordgewinns von 1,24 Milliarden Euro zu alter Form aufgelaufen: Den deutschen Konkurrenten Air Berlin und der Lufthansa-Tochter Eurowings sagt der 55 Jahre alte Ire jetzt ein schnelles Ende innerhalb der nächsten Jahre voraus. „Ich hoffe auf einen Preiskrieg“, sagt der umtriebige Chef des größten europäischen Billigfliegers, der einen weiteren schnellen Ausbau seines Netzes plant.

Auf dem deutschen Markt ist für die Angreifer noch besonders viel zu holen, wie auch aus Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervorgeht. Ryanair und Easyjet sind in Europa mit weitem Abstand die größten Anbieter, während sie in Deutschland noch den Platzhirschen hinterher fliegen. Mangelnde Angriffslust kann man O’Leary aber nicht vorwerfen. Die „Beamtenrennstrecke“ Köln-Berlin ist die erste innerdeutsche Verbindung im Ryanair-Flugplan, schon zuvor regelmäßig bedient von Air Berlin und Eurowings.

In den nächsten Monaten kommen bei Ryanair Dutzende neue Europa-Verbindungen von Berlin, Hamburg und Nürnberg dazu – größere Flughäfen mit einem relevanten Kundenpotenzial. Die Gelegenheit zum Angriff auf dem größten europäischen Einzelmarkt scheint O’Leary günstig: „Was sich in den vergangenen zwei Jahren Grundlegendes verändert hat, ist die Implosion von Air Berlin. Sie bewirkt, dass die meisten deutschen Flughäfen uns Rabatte dafür anbieten, dass wir sie nutzen.“

Ryanair macht nur noch um die Lufthansa-Drehkreuze München und Frankfurt wegen ihrer hohen Flughafengebühren einen Bogen. Allein in diesem Jahr stellen die Iren 52 neue Jets in den Dienst und verfügen dann über 380 Flieger. Flughäfen wie Köln-Bonn und Berlin-Schönefeld haben laut DLR schon 2015 einen Boom zusätzlicher Ryanair-Flieger erlebt.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin indes hat auch unter ihrem Chef Stefan Pichler die Kosten bislang nicht unter Kontrolle gebracht und das vergangene Jahr mit dem Rekordverlust von knapp 447 Millionen Euro abgeschlossen. Ohne die Finanzspritzen ihres arabischen Großaktionärs Etihad wäre die Gesellschaft längst abgestürzt. „Es ist unser Ziel, Air Berlin als Marke künftig stärker im Premiumbereich zu verankern“, sagt Pichler und streicht kleinere Verbindungen, die Ryanair dankend übernehmen und zu niedrigeren Stückkosten betreiben kann. Etihad werde die Reste von Air Berlin in ein paar Jahren an die Lufthansa verkaufen, ätzt O’Leary.

Der Lufthansa-Konzern hat spät auf die Billigflieger reagiert und will mit der neu organisierten Zweitmarke Eurowings gegenhalten. Mit einer kompletten Integration der bisherigen Minderheitenbeteiligung Brussels Airlines könnte die Eurowings-Flotte schnell erweitert und der Auftritt im Benelux-Markt gestärkt werden. Trotz des Rekordgewinns aus dem Vorjahr ächzt der komplexe Konzern unter zu hohen Kosten und streicht das Flugprogramm seiner Premiummarken Lufthansa, Swiss und AUA weiter zusammen. Das vor allem bei Eurowings geplante Wachstum wurde zuletzt wegen der vorhandenen Überkapazitäten im Markt bereits wieder etwas eingedampft.

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