Billiges Öl bringt nicht nur Segen

brigitte scholtes

shz.de von
15. Januar 2015, 17:16 Uhr

Der Preisverfall an der Zapfsäule freut
die Autofahrer: Zahlte man für einen Liter Diesel im Herbst 2012 im Schnitt noch gut 1,52 Euro, kann man ihn in diesen Tagen an einigen Tankstellen schon für weniger als einen Euro kaufen. So bleibt dem Verbraucher mehr im Portemonnaie, auch die meisten Unternehmen profitieren vom Preisverfall bei Sprit und Öl. Aber es gibt auch Kehrseiten. Das lässt sich an den Börsen ablesen: An einem Tag freuen sich die Börsianer über eben diese Kostenentlastungen, die die Konjunktur stimulieren. An dunklen Tagen hingegen sehen sie, dass der Ölpreis auch sinkt, weil die Nachfrage zurückgeht. Und das liegt an der schlechteren Weltwirtschaftsentwicklung. Da geht der Blick vor allem nach Europa und Asien – und dort auch nach China. Unruhe verbreitet sich auch deshalb, weil es unter den Ölproduzenten zu einem Kräftemessen kommt zwischen den OPEC-Staaten und den USA, die sich wegen des Frackings anschicken, zum größten Ölproduzenten der Welt aufzusteigen. Das versucht vor allem Saudi-Arabien zu verhindern. Da ziehen aber nicht alle OPEC-Staaten mit, weil sie auf die Einnahmen aus dem Öl nicht verzichten können, das gilt etwa für Venezuela. Aber auch in Russland sind die Folgen für die heimische Wirtschaft zu beobachten.

Diese Unruhe aber bringt auch Unsicherheit in die Märkte. Noch ist nicht sicher, ob das OPEC-Kartell zerbricht, sich also langfristig wieder ein freier Markt bildet, der auf Angebot und Nachfrage reagiert. Solange diese Entwicklung nicht abgeschlossen ist, bleiben die Märkte nervös. Und weiter gilt auch, dass Öl ein endlicher Rohstoff ist, selbst wenn man mit dem Fracking neue Wege der Gewinnung erschlossen hat. Und schließlich bleibt abzuwarten, wie lange die Fracking-Produzenten das niedrige Preisniveau durchhalten. Sollten sie das mittelfristig nicht schaffen, kann es mit dem Preis für Öl und damit auch für Benzin und Diesel wieder ganz schnell nach oben gehen. Nicht kurzfristig, aber auf längere Sicht.

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