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Imtech-Insolvenz : BER-Ausschussvorsitzender sieht Flughafen-Eröffnung stark gefährdet

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Eine Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens BER könnte noch viel länger auf sich warten lassen.

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2015 | 11:10 Uhr

Berlin | Die Insolvenz der Baufirma Imtech bringt den Zeitplan für den neuen Hauptstadtflughafen aus Sicht des Vorsitzenden des Berliner Flughafen-Untersuchungsausschusses ins Wanken. „Ich halte den Eröffnungstermin für stark gefährdet“, sagte Martin Delius (Piratenpartei) am Freitag. Er stützte sich auf Aussagen des früheren Flughafenchefs Hartmut Mehdorn im Ausschuss, der die Firma als extrem wichtig für das Milliardenprojekt bezeichnet habe.

Am Donnerstag teilte die niederländische Imtech mit, die deutsche Tochter des niederländischen Gebäudetechnik-Anbieters habe Insolvenzantrag gestellt. Im Zusammenhang mit Imtech-Aufträgen am BER hatte es zudem Korruptionsvorwürfe gegeben. Ein früherer Bereichsleiter des Flughafens wurde im Mai in Untersuchungshaft genommen, wie die Staatsanwaltschaft Neuruppin damals bestätigte. Der frühere Prokurist soll Imtech-Nachforderungen von über 60 Millionen Euro bewilligt haben, nachdem er von dem Konzern 150.000 Euro Schmiergeld erhalten habe. Dringender Tatverdacht besteht auch gegen einen ehemaligen Deutschland-Chef und gegen einen Regionalleiter von Imtech. Imtech war seit 2010 auch der Namensgeber des HSV-Stadions in Hamburg, das seit Jahresbeginn wieder Volksparkstadion heißt.

In Aufsichtsratskreisen hieß es am Freitag, die Insolvenz werde „mit Besorgnis“ gesehen. Die Gremien des Aufsichtsrats würden die Lage in Kürze erörtern. Imtech ist bei dem mehrfach verzögerten Großprojekt für wichtige Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten zuständig. Die deutsche Tochter des niederländischen Konzerns hatte am Donnerstag den Insolvenzantrag gestellt.

Delius warf dem Flughafen-Management Versagen vor. Das Unternehmen hätte sich aus seiner Sicht längst von Imtech trennen sollen. Er verwies auf eine millionenschweren Vorschuss, den die Firma Ende 2012 bekam. „Da hätte klar sein müssen, dass die Firma nicht ganz koscher ist“, sagte Delius. Der Flughafen in Schönefeld bei Berlin soll nach mehreren Terminabsagen im zweiten Halbjahr 2017 in Betrieb gehen.

Der Pannenflughafen sorgt bereits seit Jahren für Spott und Häme. Der erste Spatenstich für diese momentan größte Flughafenbaustelle Europas und eines der größten in Bau befindlichen Verkehrsinfrastrukturprojekte Deutschlands erfolgte am 5. September 2006. Die Eröffnungsfeierlichkeiten, die am 24. Mai 2012 mit 40.000 geladenen Gästen (Kosten: rund zwei Millionen Euro) stattfinden sollten, wurden am 8. Mai 2012 abgesagt. Am 7. Januar 2013 wurde der Eröffnungstermin für den gesamten Flughafen erneut auf ein unbestimmtes Datum verschoben.

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