Rekord-Spritpreise : Benzin so teuer wie noch nie

Mehr als 1,60 Euro für Super waren am Montag fällig. Foto: dpa
Mehr als 1,60 Euro für Super waren am Montag fällig. Foto: dpa

Schock an der Zapfsäule: Die Benzinpreise haben am Montag den bislang höchsten Stand erreicht. Die Branche gibt der Politik und den Spekulanten die Schuld daran.

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22. Februar 2012, 11:21 Uhr

Hamburg | Für Super E5 mit fünf Prozent Ethanol wurden im Bundesschnitt 1,67 Euro je Liter gezahlt. Für das günstigere Superbenzin E10 waren 1,64 Euro fällig. Diesel blieb noch unter 1,54 Euro je Liter und damit knapp unter dem Rekordwert aus dem Sommer 2008. Auch am Dienstag sieht es kaum anders aus auf den Preistafeln der tankstellen. Kraftstoffe mit hohen Oktanzahlen sind inzwischen ein Luxusgut. So wurde bei Shell für eine Variante von Super-Plus-Benzin gar ein Literpreis von 1,80 Euro fällig. Doch nicht nur an der Tankstelle, auch beim Heizen belasten teure Öl-Preise die Verbraucher. Die Heizölkosten steigen rasant. Dem Verbraucherportal Verivox zufolge legten die Preise vergangenes Jahr um 26 Prozent zu.
Die Bereitschaft im Straßenverkehr auf alternative Antriebe umzusteigen, scheint von den hohen Benzinpreisen jedoch nicht beflügelt zu werden. Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts in Flensburg zufolge waren von den rund 43 Millionen Pkw auf deutschen Straßen weniger als 600.000 vergangenes Jahr in der Lage, Autogas oder Erdgas zu tanken oder mit Strom zu fahren.
Die Branche begründet die Preise vor allem mit hohen Beschaffungskosten. "Wir haben im Moment sehr hohe Rohöl-Notierungen", so Karin Retzlaff vom Mineralölwirtschaftsverband. Der schwache Euro treibe die Preise in die Höhe. Retzlaff zufolge kostete das Barrel der Nordsee-Sorte Brent im Rekordsommer 2008 umgerechnet noch 91 Euro. Derzeit müssen dafür hingegen 93 Euro bezahlt werden. Die hohen Rohölnotierungen seien Resultat der Lage im Iran - wenngleich das Land für Deutschland als Öllieferant keine Rolle spiele. Auch Nigeria trage zur Verunsicherung und damit zu hohen Preisen bei. Immerhin: Das Land ist Deutschlands fünftgrößter Öllieferant. "Dort bedrohen Rebellenstämme die Ölförderung." Dass auch Spekulanten an der Preisschraube drehen, will Retzlaff nicht ausschließen. "Es ist unbestreitbar, dass die Notenbanken in den vergangenen Monaten viel Geld in den Markt gepumpt haben", sagt sie. Und dieses Geld sei auch in die Rohstoffmärkte investiert worden.

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