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Fragen und Antworten : Bei der Post droht der Dauer-Streik

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Logistik-Konzern lässt das Ultimatum der Gewerkschaft verstreichen. Unbefristete Ausstände sind „ab sofort möglich“. Was Sie jetzt wissen müssen.

shz.de von
erstellt am 05.Jun.2015 | 07:59 Uhr

Berlin | Wann die Briefträger und Paketboten der Deutschen Post ihren angekündigten Streik starten, ist noch offen. Die Entscheidung werde frühestens am Montag bekanntgegeben, sagte ein Verdi-Sprecher am Sonntag. Millionen Briefe und Pakete dürften dann wieder verspätet kommen.

Verdi hatte vergangenen Donnerstag unbefristete Streiks der Post-Mitarbeiter für Anfang dieser Woche angekündigt. Zuvor hatte die Post in dem Tarifkonflikt für rund 140.000 Beschäftigte ein Ultimatum der Gewerkschaft verstreichen lassen. Hintergrund des Streits ist der Aufbau von 49 regionalen Gesellschaften für die Paketzustellung.

Fragen und Antworten zum möglichen Streik.

Würde bei Streiks der Briefkasten leerbleiben?

Das kann vorkommen. Vor allem aber werden viele Briefe mit deutlicher Verspätung ankommen. Weil weniger Zusteller zur Arbeit kommen, stauen sich die Briefe in den Verteilzentren. Wann sie ausgetragen werden, ist nicht berechenbar. Das kann problematisch sein, wenn man zum Beispiel eine Kündigung verschickt, die zu einem bestimmten Stichtag ankommen muss. Verloren gehen die Briefe durch den Streik nicht.

Was ist mit Paketen?

Auch die können verspätet kommen. Viele Versandhändler aber werden während der Post-Streiks auf andere Paketdienste wie Hermes, DPD oder UPS ausweichen. Im Berliner Raum hat die Post zuletzt auch DHL-Mitarbeiter aus Polen für die Paketzustellung eingesetzt.

Worüber streiten Verdi und die Post?

Angefangen hat alles damit, dass die Post zu Jahresbeginn 49 regionale Gesellschaften für die Paketzustellung gegründet hat. Hier arbeiten inzwischen rund 6000 Beschäftigte, die nicht nach dem Haustarif, sondern den jeweils gültigen, oft niedrigeren regionalen Tarifen des Logistikgewerbes bezahlt werden. So will die Post im harten Wettbewerb Kosten sparen. Die Gewerkschaft will nicht akzeptieren, dass die Zusteller weniger Geld bekommen.

Was verdient ein Paketbote?

Die Deutsche Post zahlt nach eigenen Angaben im Schnitt 17,70 Euro pro Stunde. Damit seien die Löhne doppelt so hoch wie bei den Wettbewerbern, sagt Personalchefin Melanie Kreis. Die Einstiegslöhne bei den ausgegliederten Regionalgesellschaften liegen im Schnitt bei knapp 13 Euro. Dazu kämen Zuschläge.

Was will die Gewerkschaft erreichen?

Verdi will, dass die Ausgliederung rückgängig gemacht wird. Alle Paketzusteller sollen nach dem höheren Haustarifvertrag bezahlt werden. Dafür würde die Gewerkschaft für dieses Jahr auch auf eine lineare Entgelterhöhung verzichten und zustimmen, dass neu eingestellte Beschäftigte länger in einer Gehaltsstufe bleiben, bevor sie aufsteigen. Ganz ohne Lohnplus soll die Tarifrunde aber nicht ausgehen: Verdi fordert eine Einmalzahlung von 500 Euro und 2016 dann ein Lohnplus von 2,7 Prozent.

Was hält die Post davon?

Die war zunächst einmal skeptisch. Das strukturelle Problem, dass die Post deutlich mehr zahle als die Wettbewerber, werde so nicht gelöst, sagt Personalchefin Kreis. Die als „Angebot“ getarnte Forderung der Gewerkschaft falle zum Teil sogar hinter das zurück, was derzeit vereinbart sei. So will die Post zum Beispiel in Stuttgart andere Löhne zahlen als in Norddeutschland, weil die Lebenserhaltungskosten unterschiedlich sind. Das ginge dann nicht mehr. Nach Rechnung der Post würde der Verdi-Vorschlag außerdem Mehrkosten von 250 Millionen Euro bedeuten. Endgültig will sich die Post Anfang kommender Woche zu dem Angebot äußern.

 
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