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Hohe Verzinsung : Bausparkassen wollen Alt-Kunden loswerden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wer vor langer Zeit einen Bausparvertrag abgeschlossen hat, profitiert heute von hohen Zinsen. Für die Bausparkassen ist das ein Problem. Kunden müssen sich dagegen wehren, aus den alten Verträgen herausgedrängt zu werden.

shz.de von
erstellt am 20.Sep.2013 | 07:54 Uhr

Kiel | Wüstenrot hat 15.000 Bausparverträge aufgelöst, die Bausparkasse LBS Schleswig-Holstein bislang 5600. Inzwischen ist es branchenüblich, sich von teuren, voll angesparten Altverträgen zu trennen, die teilweise noch fünf Prozent Guthaben-Verzinsung garantieren – eine für heutige Verhältnisse fürstliche Rendite angesichts magerer Zinsalternativen bei Staatsanleihen oder für Bankguthaben.

Auch die Kielerin Maria K. besitzt solch ein „Goldstück“. Bei Vertragsabschluss vor zwölf Jahren wurden Spar- und Darlehenszins für die gesamte Laufzeit festgelegt, und die geht erst dann zu Ende, wenn der Vertrag zu 100 Prozent angespart ist. Bislang hat die 33-Jährige 71.000 Euro auf den 80.000-Euro-Vertrag eingezahlt. Alle Versuche der Bausparkasse, sie aus dem lukrativen Altvertrag herauszudrängen und sich von dem angesparten Guthaben endlich eine Immobilie zu leisten, hat sie bislang erfolgreich abgelehnt. Auch durch Telefonanrufe von Bausparberatern, die ihr angeblich lukrative Alternativen anboten oder ersatzweise mit Kündigung drohten, ließ sie sich nicht beirren (wir berichteten). Maria K. befolgte nämlich den Rat der Verbraucherzentrale in Kiel, den Vertrag nicht bis 100 Prozent anzusparen. Verbraucherschützer Michael Herte empfahl schon in diesem Frühjahr, die Einzahlungen zu stoppen, sobald das Guthaben etwa 85 Prozent der vereinbarten Bausparsumme erreicht hat. Bedacht werden müssten nämlich auch die jährlichen Zinsgutschriften. So können Anleger möglichst lange den vereinbarten Basiszins kassieren, ohne eine Kündigung durch die Bausparkasse zu fürchten.

Kündigen können die Bausparkassen die Altverträge nach Gerichtsurteilen nämlich nur dann, wenn die vereinbarte Bausparsumme bereits erreicht wurde. Dann gilt der Vertrag als „überspart“. Weil damit der eigentliche Zweck des Bausparvertrags – die Inanspruchnahme eines Darlehens – wegfällt, dürfen die Institute ihn mit einer Frist von drei Monaten kündigen.

Dass sie das lieber heute als morgen tun, liegt auf der Hand. Denn die Bausparkassen sind von zwei Seiten unter Druck geraten. Sie müssen einerseits noch hohe Zinsen für die Guthaben aus Altverträgen zahlen, können dies aber nicht durch hohe Darlehenszinsen aus dieser Zeit ausgleichen, weil Kunden diese teuren Kredite nicht in Anspruch nehmen, sondern den Bausparvertrag als Sparschwein nutzen. Wer trotzdem bauen will, geht zur Hausbank. Dort erhält man derzeit Kredite zu deutlich günstigeren Konditionen.

Die Bausparkassen betonen, angesichts eines Gesamtbestands von 3,6 Millionen Verträgen seien die gekündigten Verträge eine sehr geringe Zahl. Doch immerhin: Bei Wüstenrot beträgt der Anteil von Altverträgen am Gesamtbestand 20 Prozent. Das wird teuer. Offenbar zu teuer. Experten sprechen von einer jährlichen Ergebnisbelastung von 100 Millionen Euro.

Auch die Landesbausparkassen (Eigentum der Sparkassen) halten Vertragskündigungen bei Erreichen der vereinbarten Summe für legitim und erinnern daran, „dass Bausparverträge als Baustein bei der Finanzierung von Wohneigentum gedacht sind und nicht zum Renditesparen", sagte LBS-Sprecher Klaus Günter Steinke gestern in Kiel.

Doch Verbraucherschützer sehen das anders: „Man hat Kunden den Vertrag als Sparprodukt mit attraktivem Guthabenzins verkauft und sollte jetzt nicht im Kleingedruckten nach Ausflüchten suchen“. Frank-Christian Pauli vom Bundesverband der Verbraucherzentrale kritisiert Fälle, in denen Bausparkassen versuchten, die vereinbarte Sparphase zu verkürzen. Etwa dadurch, dass Prämien und ein Bonus zu Guthaben hinzugerechnet würden. Es sei nicht in Ordnung, Kunden mit solchen Methoden vorzeitig aus dem Vertrag zu drängen. 

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