Bauwirtschaft : Baukosten explodieren – ist das Fertighaus eine Alternative?

Author: Gussek
Modul für Modul: Die vorgefertigten Teile eines Fertighauses werden auf der Baustelle zusammengesetzt.

Bundesweit ist fast jedes vierte neu genehmigte Haus ein sogenanntes Fertighaus. Allerdings liegt der Anteil im Norden deutlich niedriger. Ist der Fertigbau angesichts explodierender Baukosten für Häuslebauer eine Alternative?

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04. Januar 2022, 08:24 Uhr

Bundesweit ist fast jedes vierte neu genehmigte Haus ein sogenanntes Fertighaus. Allerdings liegt der Anteil im Norden deutlich niedriger. Ist der Fertigbau angesichts explodierender Baukosten für Häuslebauer eine Alternative?

Sie liegen im Trend: Bundesweit war bis Oktober 2021 23 Prozent der neu genehmigten Ein- oder Zweifamilienhaus sogenannte Fertighäuser. In Zahlen heißt das der amtlichen Baustatistik zufolge: von 92.909 Ein- oder Zweifamilienhäusern sollen 21.412 in Fertigbauweise gebaut werden. So viele wie noch nie. Und der Marktanteil soll weiter steigen, sagt Achim Hannott, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Fertigbau (BDF), unserer Redaktion. Das Ziel: In den kommenden zwei Jahren soll die Fertigbauquote 25 Prozent übersteigen. Noch vor fünf Jahren lag sie bei 18 Prozent.

Fertighaus: Nicht günstiger, aber Planungssicherheit für den Bauherrn?

Ist ein sogenanntes Fertighaus – also ein Haus, dessen Elemente vorgefertigt und vor Ort montiert werden – in Zeiten explodierender Baupreise für Häuslebauer eine günstigere Alternative zum konventionellen Bau? Das ist Hannott zufolge schwer zu sagen. „Fertighaus bedeutet schon lange nicht mehr, ein Haus ,von der Stange‘ zu bestellen. Die Häuser sind so individuell wie die Kunden, die sie in Auftrag geben“, so der BDF-Geschäftsführer. Häuser in Fertigbauweise mit Billighäusern gleichzusetzen, sei überholt.

Allerdings gebe es für den Bauherrn mehrere Vorteile, wenn er sich für ein Fertighaus entscheide: Es werde ein Festpreis vereinbart – und der Fertigstellungszeitpunkt stehe fest. Somit habe der Kunde Planungssicherheit und sei vor Überraschungen sicher, sagt Hannott.

Von Preissteigerungen ist allerdings auch die Fertigbau-Branche, die mit rund 9000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet, nicht verschont geblieben. Ein Fertighaus besteht im Hauptmaterial aus Holz – ein Rohstoff, der in den vergangenen Wochen und Monaten zeitweise Mangelware war und im Preis stark gestiegen ist.

Wartezeiten von bis zu eineinhalb Jahren

Zumindest ersteres hat sich wieder gelegt. „Es ist genügend Material vorhanden“, sagt Hannott. Auch zu Verzögerungen im Bau sei es in der Zeit des Mangels nicht gekommen. Aber eines bleibe: der hohe Preis. Dieser werde bei neuen Verträgen einkalkuliert. An der Festpreisgarantie werde festgehalten, betont der BDF-Geschäftsführer.

Der Trend zum Fertighaus führt dazu, dass potenzielle Häuslebauer aber auch für ihr Fertighaus Zeit einkalkulieren müssen. Der Auftragsbestand sei hoch, so Hannott. „Die Wartezeit beträgt zurzeit zwischen zwölf Monaten und eineinhalb Jahren.“ Schneller gebaut als in konventioneller Bauweise wird also nicht mehr.

Das liegt Hannott zufolge allerdings nicht nur an der guten Auslastung der zumeist familiengeführten Betriebe, sondern auch daran, dass Baugenehmigungen lange dauern. „Das müsste schneller gehen“, fordert er.

Grafik: BDF
Grafik: BDF

Grafik: BDF

Bundesweit liegt die Fertigbauweise insbesondere in Süddeutschland im Trend. Spitzenreiter mit einer Fertigbauquote von 39 Prozent ist Baden-Württemberg. Das liegt Hannott zufolge auch daran, dass der Holzbau im Süden Deutschlands eine größere Tradition hat, entsprechend viele Firmen seien dort angesiedelt. Schlusslicht mit einem Marktanteil von unter 10 Prozent sind Niedersachsen und Bremen.

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