Windenergie für Kenia : Baubeginn für „tüchtigsten“ Windpark der Welt

Ein Dorf am Turkana-See. In dieser Gegend entsteht derzeit Afrikas größter Windpark.
Ein Dorf am Turkana-See. In dieser Gegend entsteht derzeit Afrikas größter Windpark.

Steter Wind, steter Strom: In Kenia wird derzeit die effizienteste Windfarm der Welt gebaut. 365 kleinere Vestas-Anlagen werden sich ab 2017 pausenlos in der Halbwüste drehen.

shz.de von
06. Juli 2015, 16:48 Uhr

Laisamis | In der kargen Öde der Halbwüste am Turkanasee im Norden Kenias wird die Wiege der Menschheit vermutet. Außer ein paar umherziehenden nomadischen Stämmen herrscht in dieser lebensfeindlichen Gegend, 550 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nairobi, große Leere und auch Hungersnot. Doch es gibt eine bemerkenswerte, sandige Erscheinung, die den Menschen Hoffnung macht. Sie trägt den Eigennamen „Turkana Korridorwind“. Das konstante Druckgefälle zwischen Indischem Ozean und Sahara sorgt im Tunnel der Berge für flachen, konstanten Starkwind mit durchschnittlich elf Metern pro Sekunde. Verstetigter Wind lässt Windmüllers Herz höher schlagen.

In diesem Teil Ostafrikas wird in dieser Woche begonnen, einen Windpark zu errichten, der 20 Prozent des Stromhungers des Landes bei vergleichsweise geringen Kosten decken soll. 365 Windkraftanlagen mit 850 kW Nennleistung werden aufgestellt. Den Zuschlag für die Lieferung erhielt das im dänischen Randers ansässige Unternehmen „Vestas Wind Systems A/S“.

Die Turbinen vom Typ V52-850 werden auf einer Fläche von insgesamt 162 Quadratkilometern errichtet. Mit 68 Prozent Arbeitsausnutzungsfaktor soll der dann größte Windpark Afrikas die effizienteste Windfarm der Welt werden. Die Investitionssumme von 690 Millionen US-Dollar übernehmen unter der Schirmherrschaft der Europäischen Union agierende Investoren. Die Afrikanische Entwicklungsbank koordiniert die finanzielle Seite des Unterfangens.

Das energetische Zukunftspotential der Gegend erkannte der Niederländer Carlo van Wageningen schon vor zehn Jahren. Doch in dem Land, das bei der Energiegewinnung auf Fossil- und Wasserkraft setzte, war es anfangs beschwerlich, mit Wind-Ideen zu punkten. Extrem trockene Jahre bei sinkenden Pegeln an den Staudämmen veranlassten das Energieministerium schließlich zu einem Umdenken. 150 Millionen Euro an Fossil-Energieimportkosten will der Staat so jährlich sparen.

Turbinen zu finden, die der dort herrschenden Dauerbelastung Stand halten können, erwies sich am zuerst erwogenen Standort als unlösbares Problem. So wurde der Spatenstich einige Kilometer vom stärksten Windzug gesetzt. Nun muss noch der Bau der 426 Kilometer Hochspannungsmasten vollendet werden, um den Windpark mit dem Landesnetz verbinden zu können. Die verschlingt etwa die Hälfte des Gesamtbudgets. Wie man die großen Komponenten vom nächstgelegenen Hafen Mombasa über die 1.200 Kilometer Holperstraßen transportieren sollte, blieb lange ein Rätsel. Die Investoren entschlossen sich schließlich, die Straße auf eigene Kosten zu erneuern.

dpa

Seit dieser Woche wird das „Lake Turkana Wind Power Project“ genannte Unterfangen Realität. Etwa 5000 Gigawatt sollen laut Vestas in den nächsten drei Jahren ins marode Stromnetz des Landes eingespeist werden. Die Staatsfirma „Kenya Power“ garantiert, die Strompreise für die nächsten 20 Jahre stabil zu halten, so dass die Mehrheit des sich rasch urbanisierenden Landes Zugang zu erschwinglicher Elektrizität haben kann.

Vor allem in Südafrika boomt Windenergie derzeit. Fünf großflächige Projekte wurden dort bereits fertig gestellt, eine Reihe anderer befindet sich im Bau. Und Kenias Nachbar Äthiopien setzt mit dem 2013 erbauten „Ashegoda power generating complex“ im großen Stil auf regenerative Energie aus Wind, Sonne und Erdwärme. Das „Lake Turkana Wind Power Project“ soll dieses weltweit gefeierte Großprojekt in den Schatten stellen.

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