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Lokführer-Streik und Tarifstreit : Bahn, GDL und EVG: Wer will eigentlich was?

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Aus der Onlineredaktion

Zwei Gewerkschaften, immer noch keine Einigung - und wieder steht eine Streikdrohung im Raum. Fragen und Antworten zum Tarifkonflikt bei der Bahn.

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 11:03 Uhr

Das Spitzengespräch im Tarifkonflikt bei der Bahn sollte die Lösung bringen - und ist am Dienstag gescheitert. Es brachte keine Einigung, teilten die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nach dem Treffen in Köln am späten Dienstagabend mit. Es sei nicht gelungen, sich auf ein Verfahren für künftige gemeinsame Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zu verständigen, berichtete die EVG. Warum ist dieser Konflikt so verfahren? Fragen und Antworten.

 

Worum geht es bei der Auseinandersetzung eigentlich genau?

Im Grunde geht es um die Löhne der Lokführer - doch auch um viel mehr. Die beiden Gewerkschaften GDL und EVG streiten seit Monaten darüber, wer für welche Berufsgruppe bei der Bahn Tarifverhandlungen führen darf. Für ihr Anliegen hatte die GDL seit Anfang September sechs Mal zum Streik aufgerufen. Dadurch wurde der Bahnverkehr jeweils empfindlich getroffen, etwa zwei Drittel der Personenzüge fielen aus.

Warum ist das Spitzengespräch gescheitert?

Das Spitzentreffen am Dienstagabend sollte die Weichen für weitere Gespräche am Freitag stellen. Bahn-Vorstand Ulrich Weber, der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, und EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner trafen sich in Köln. Die Deutsche Bahn wollte dann eigentlich parallele Verhandlungen führen - am gleichen Ort zur gleichen Zeit mit beiden Gewerkschaften. Laut EVG sollten dafür die Spielregeln dafür diskutiert werden. "Für gemeinsame Verhandlungen sehen wir nach dem Scheitern des Spitzengesprächs keinen Raum mehr", heißt es in einer Erklärung der EVG.

Wen vertritt die GDL?

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wurde 1867 gegründet und organisiert nach eigenen Angaben mehr als 80 Prozent der Lokführer und auch Zugbegleiter. Die Gewerkschaft hat rund 34.000 Mitglieder.

Und die EVG?

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ist seit November 2010 Nachfolgerin der Gewerkschaften Transnet und GDBA. Die EVG hat rund 240.000 Mitglieder: Busfahrer, Servicekräfte, Binnesnschiffer und Eisenbahner. Die EVG sieht die Zugbegleiter als ihre Klientel an - und eben nicht der GDL.

Was will die GDL?

Erklärtes Ziel der GDL ist es, eigene Tarifverträge für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal durchzusetzen - etwa für Zugbegleiter oder für Lokrangierführer. Für die Lokführer hat die Gewerkschaft das bereits vor Jahren erreicht. Im Streit um die Löhne fordert die GDL fünf Prozent mehr Lohn bei geringerer Wochenarbeitszeit von 37 Stunden.

Was will die EVG?

Die EVG erklärte, dass sie nun erwarte, dass die Bahn "ausschließlich mit der EVG die Tarifverhandlungen fortsetzt." Seine Gewerkschaft werde die Gespräche am Freitag abbrechen, wenn die GDL nicht zu einheitlichen Tarfiverträgen bereit sei, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. "Schon geringe Unterschiede im Detail fassen wir als Bruch der Tarifeinheit auf, da sind wir sehr kleinlich", sagte er am Dienstag Spiegel Online. Die EVG fordert im Tarifstreit sechs Prozent mehr Lohn, mindestens 150 Euro mehr.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Bahn will am Freitag in Frankfurt getrennte Tarifverhandlungen führen: Bahn und EVG treffen am Freitag, 21. November, um 11.00 Uhr zusammen. Es ist die dritte Runde der beiden Seiten. Anschließend, gegen 16.00 Uhr, wollen Bahn und GDL am selben Ort ihre Verhandlungen wieder aufnehmen. Man werde beiden Gewerkschaften bis Freitag ein Angebot zu deren Forderungen vorlegen, kündigte das Unternehmen an. Die Bahn will konkurrierende Regelungen für eine Berufsgruppe vermeiden.

Drohen neue Streiks?

Die GDL hat seit Anfang September bereits sechs Mal zum Streik aufgerufen. Dadurch wurde der Bahnverkehr jeweils empfindlich getroffen, etwa zwei Drittel der Personenzüge fielen aus. Schon vor dem Spitzengespräch am Dienstag hatte EVG-Chef Kirchner mit Streik gedroht: "Es kann nicht die Lösung sein, am Ende zwei Tarifverträge mit unterschiedlichen Inhalten zu haben. Dann werden wir für unsere Interessen eintreten, notfalls mit einem Arbeitskampf.

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