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Deutsche Bahn : Bahn-Chef Rüdiger Grube plant heikle Reform

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Die Deutsche Bahn muss handeln, weil in wichtigen Konzernbereichen die Geschäfte nicht laufen. Vorstandschef Grube wirbt im Aufsichtsrat für ein neues Programm. Daran wird schon vorher Kritik laut.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 11:31 Uhr

Berlin | Die Erwartungen an Bahnchef Rüdiger Grube sind groß. Sein Konzept, über das der Aufsichtsrat am Mittwoch berät und entscheidet, soll Privat- und Firmenkunden glücklich machen und die Deutsche Bahn in die Erfolgsspur zurückführen. Diese hat das Unternehmen spätestens in diesem Jahr verlassen. Das zeigen die Geschäftszahlen, die seit Monatsanfang durchgesickert sind.

Für Bahnkunden sind die geplanten Reformen von Grube besonders interessant, weil sie die Pünktlichkeit und den Service der Bahn erhöhen sollen. Fraglich ist, wie es mit dem Güterverkehr in Zukunft weiter gehen wird.

Unter dem Strich wird am Jahresende das erste Minus seit 2003 stehen, weil die Anlaufkosten für den Konzernumbau hoch sind und die Güterbahn-Tochter „DB Schenker Rail“ Vermögenswerte abschreiben muss. Auch im Personenverkehr kommt die Bahn nicht so voran wie erhofft. Seit Juli kommt etwa jeder dritte Fernzug verspätet ans Ziel. Das nervt die Fahrgäste. Grube war 2009 mit dem Versprechen angetreten, sich vor allem um das „Brot-und-Butter-Geschäft“ zu kümmern. Darunter ist der Schienenverkehr in Deutschland zu verstehen. Dann wollte er mehr, doch die „Strategie DB 2020“ aus dem Jahr 2012 mit einer angestrebten Umsatzverdoppelung hat er im Frühjahr einstampfen müssen.

Nach mehr als sechs Jahren im Amt ist die Bilanz des Bahnchefs gemischt. Er hat die Erneuerung der Zugflotte vorangetrieben, im täglichen Zugverkehr wird das allmählich sichtbar. Bei der Sauberkeit von Zügen und Bahnhöfen gibt es Fortschritte, aber noch viel zu tun. „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr“, sagt ein Aufsichtsrat vor der Sitzung. Bei der miserablen Pünktlichkeit habe der Vorstandschef wahlweise auf häufige Achsenprüfungen, Winterprobleme, Hochwasser und Lokführerstreiks hinweisen können. Nun zeige sich, dass die hausgemachten Probleme groß seien.

Der Vorstand will sein Programm „Zukunft Bahn“ mit 20 Milliarden Euro an Investitionen ausstatten, heißt es. Sie sollen über fünf Jahre verteilt in die Qualität des Angebots investiert werden, etwa in bessere Informationssysteme an Bahnsteigen und ein Frühwarnsystem für drohende Weichenstörungen. Das sei gut und richtig, solche Verbesserungen gehörten aber zum „normalen Geschäft“, bemerkt ein Aufsichtsratsmitglied. Eine „Strategie“ sei dahinter nicht unbedingt zu erkennen.

Gerade für den seit Jahren darbenden Schienengüterverkehr hat die Bahn nach Ansicht von Kritikern noch immer keinen überzeugenden Ansatz gefunden. 4,8 Milliarden Euro Umsatz machte diese Sparte im vorigen Jahr, aber so gut wie keinen Gewinn. Die privaten Konkurrenten haben dem Staatskonzern in den vergangenen Jahren lukrative Marktanteile abgejagt. Die Bahn hält bislang als einziger Anbieter am komplizierten und deshalb unrentablen Verkehr mit Einzelwagen fest, die unterschiedliche Absender und Empfänger haben.

Das könnte sich bald ändern. Zwar sind Presseberichte, wonach die Bahn ihren Güterwagenbestand drastisch verkleinern will, unbestätigt. Aber dass DB Schenker Rail für die nächsten Jahre in Deutschland eine niedrigere Güterverkehrsleistung als heute plant, wird im Umfeld des Aufsichtsrats eingeräumt. Wenige Tage nach dem Klimagipfel von Paris finden das Umweltverbände und Verkehrspolitiker nicht lustig: Wie könne es sein, dass die bundeseigene Bahn den Gütertransport auf der Schiene drossele, während die Bundesregierung mehr umweltschonenden Verkehr propagiert? „Es darf nicht zum Abbau von Gütertransporten auf der Schiene kommen“, mahnt der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Martin Burkert (SPD). Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) verlangt, Wettbewerbsnachteile der Bahn gegenüber dem Lastwagen wie etwa hohe Trassengebühren zu beseitigen.

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