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Kommentar zum Diesel-Skandal : Ausgerechnet Volkswagen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Diesel-Skandal bedroht die gesamte deutsche Automobilindustrie, meint Jürgen Muhl.

Es war vor gut einer Woche, als sich Martin Winterkorn auf dem VW-Konzernempfang am Vorabend der IAA-Eröffnung mehrfach verhaspelt und korrigieren muss. Von Souveränität keine Spur. Am Morgen danach ist von einer neuen Modelloffensive – wie von Winterkorn angekündigt – fast nichts zu sehen. Ein äußerlich kaum veränderter Touran steht ziemlich verloren auf dem Volkswagen-Messestand, das ist es auch schon an Neuheiten. Seit Jahren macht eine verfehlte Modellpolitik dem Konzern zu schaffen. Ganz besonders in den USA, wo die Wolfsburger auf ziemlich verlorenem Terrain stehen. Es mag pure Angst gewesen sein, mit technischen Manipulationen weiteren Umsatzrückgängen auf dem zweitgrößten Absatzmarkt der Welt zu begegnen. Angst vor dem Absturz. Ausgerechnet Volkswagen, die bislang so verlässliche und konservative Automobilmarke, manipuliert bei den Abgaswerten. Das ist Betrug. Volkswagen betrügt. Ausgerechnet Volkswagen. Das Unternehmen hat diesen Betrug längst zugegeben. Schockstarre in der Autowelt.

Es klingt wie Hohn: Winterkorn sagt Bundesverkehrsminister Dobrindt eine umfassende Aufklärung des Skandals zu. Was bitteschön sonst? Und dann gestern Abend per Video die Entschuldigung. Gesprochen vom Spitzenverdiener der deutschen Wirtschaft. Winterkorn leistet Abbitte für ein schmutziges Geschäft, für das er verantwortlich ist. Ganz gleich, ob er es angeordnet oder es dem Management eine Stufe tiefer überlassen hat. Weil Winterkorn nebenbei auch als Chef der VW-Entwicklung fungiert, muss er seinen Kopf hinhalten. Insofern kann der Aufsichtsrat nicht den Vertrag des Vorstandschefs am kommenden Freitag verlängern. Das wäre die Fortsetzung des Betrugs, diesmal dann intern im eigenen Haus. Es wäre Betrug an den Kunden, an den VW-Händlern, an den Mitarbeitern.

Der VW-Skandal erschüttert nicht nur die Automobilindustrie, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft. Jeder siebte Arbeitsplatz hängt in Deutschland an der Autobranche. Sollten auch noch andere deutsche Hersteller so getrickst haben, dann „Gute Nacht Made in Germany“.

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erstellt am 23.Sep.2015 | 13:15 Uhr

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