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Schiffbau : Auftragsflaute bei Werften und Sorgen um den Nachwuchs

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Der weltweite Schiffbau fällt auf das Niveau der 80er Jahre zurück. Der Nachwuchs deutscher Fachkräfte bereitet Sorgen.

Hamburg/Kiel | Der Schiffbau hat weltweit einen Tiefpunkt erreicht. Die Auftragseingänge der Werften sind in diesem Jahr auf das Niveau der achtziger Jahre zurückgefallen und liegen weit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre, wie Martin Stopford, Präsident der maritimen Forschungs- und Beratungsfirma Clarkson Research, am Donnerstag in Hamburg sagte.

Der deutsche Weltmarktanteil - gemessen an der abgelieferten Tonnage - betrug zuletzt ungefähr ein Prozent. Korea, Japan und China machten dagegen mehr als 80 Prozent des Weltmarktes unter sich aus. Was auf den Werften noch läuft, sind Kreuzfahrtschiffe und andere hochkomplexe Einzelprojekte wie zum Beispiel Offshore-Schiffe.

Ausschlaggebend dafür seien die schwachen Schifffahrtsmärkte und das abnehmende Wachstum des Seehandels. Die Charterraten für Frachtschiffe seien mit 8900 Dollar am Tag am untersten Rand ihrer Bandbreite angelangt. Mehr als die Hälfte aller Werften haben seit 2009 den Markt verlassen. Dass es auch anders geht, zeigt die Flensburger Schiffbau Gesellschaft, die dank mehrerer Großaufträge mit voller Kraft aus der Auftragsflaute fährt. Insgesamt haben die europäischen Werften überraschend in den ersten drei Monaten des Jahres mehr Aufträge bekommen als ihre Konkurrenten aus Asien.

Auch der 35. Deutsche Seeschifffahrtstag in Kiel wird sich im September mit den Kernproblemen der Branche befassen. Dabei gehe es insbesondere um die Frage, dass in Deutschland auch in Zukunft genügend nautischen Nachwuchs ausgebildet und auf deutschen Schiffen oder in Fachbehörden angestellt werde, betonten am Donnerstag in Kiel Vertreter des Nautischen Vereins zu Kiel als Veranstalter. Die Frachtraten seien extrem am Boden, es würden kaum noch deutsche Seeleute beschäftigt. Und die geplante Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung sehe auf Schiffen nur noch zwei statt bisher vier Seeleute aus der Europäischen Union als Mindeststandard vor. Für viele Absolventen im nautischen Bereich seien die Chancen auf einen Job zurzeit schlecht, warnten Jürgen Rohweder und Gerald Immens vom Nautischen Verein zu Kiel. Dabei seien die Experten für die Branche mit 400.000 Beschäftigten zwingend notwendig.

Auf einem Fachkongress mit 300 Teilnehmern vom 22. bis 25. September sollen Empfehlungen für die Politik erarbeitet werden. Für das breite Publikum ist ein Fest um den Kieler Binnenhafen an der Hörn vom 23. bis 25. September geplant. Rund 20 Schiffe werden anlegen. Dazu gehören alte Traditionssegler, Lotsenschiffe, Seenotrettungskreuzer und eine Korvette der Marine. „Wir haben keinen freien Meter an der Hörn“, sagte Immens. Auf Bühnen läuft ein musikalisches Programm, dazu locken Stände mit Essen und Trinken. Außerdem gibt es Infostände zum Beispiel zu Mikroplastik im Meer oder einen Werbestand der Marine. „Das Fest ist ein Novum, wir rechnen mit Zehntausenden Besuchern“, sagte Rohwedder.

Schirmherr des alle drei Jahre stattfindenden Seeschifffahrtstages ist Bundespräsident Joachim Gauck. Zuletzt fand das Treffen 2013 in Bremerhaven statt.

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erstellt am 02.Jun.2016 | 12:06 Uhr

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