zur Navigation springen
Wirtschaft

20. August 2017 | 01:01 Uhr

Auf Streikkurs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Reisende müssen an Deutschlands Flughäfen heute geduldig sein. Mit einem Streik bei der Lufthansa-Tochter Germanwings macht die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ihre Drohung wahr. Bundesweit können 15 000 Passagiere ihren Flug nicht antreten. Allein ab Hamburg müssen heute mehr als 2000 Flugreisende auf andere Linien und alternative Transportmittel ausweichen. Gestern Nachmittag waren bereits jeweils 14 Hin- und Rückflüge von Germanwings in der Hansestadt gestrichen. Insgesamt sollten vor allem innerdeutsche Flüge betroffen sein. Vom Norden aus wurden jedoch auch die Verbindungen beispielsweise nach Wien und Paris ebenso gestrichen wie nach Zürich.

Von den 164 Flügen an allen deutschen Flughäfen, die in den Streikzeitraum zwischen sechs und zwölf Uhr fallen, werden laut Germanwings 116 gestrichen. Hinzu kommen jedoch Flüge, die als Folge des Streiks am Vormittag auch am Nachmittag nicht stattfinden können. Am größten deutschen Flughafen Frankfurt gibt es heute überhaupt keine Germanwings-Flüge.

Die Airline und der Hamburger Flughafen empfehlen Reisenden, sich regelmäßig auf der Internetseite von Germanwings über Änderungen im Flugplan zu informieren. Bei abgesagten Flügen könnten die Betroffenen ihren Flug kostenlos stornieren oder umbuchen. Der auf Reiserecht spezialisierte Anwalt Paul Degott vom Deutschen Anwaltsverein (DAV) erklärt dazu, dass die Airline müsse jedoch Gelegenheit bekommen muss, „eine Ersatzbeförderung zu organisieren“. Sie ist dazu verpflichtet, diese schnellstmöglich anzubieten. Einen Anspruch auf Entschädigung haben Reisende unterdessen während eines Streiks in der Regel nicht.

„Wir sind sehr enttäuscht, dass wir den Streik nicht abwenden können. Es entsteht der Eindruck, dass für die VC der Streik bereits beschlossene Sache war“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. Lufthansa und die Tochter Germanwings würden sich nun vor allem darauf konzentrieren, die Auswirkungen eines Ausstands zu begrenzen. Ein VC-Sprecher betonte, die Gewerkschaft habe nicht von vornherein auf Streik gesetzt.

Hintergrund des Konflikts bei Europas größter Airline ist der Streit um die Übergangsrente für die 5400 Piloten bei Lufthansa, Germanwings und Lufthansa Cargo. Im Schnitt gehen Lufthansa-Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den vom Unternehmen bezahlten Vorruhestand. Lufthansa will das durchschnittliche Eintrittsalter schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Die aktuelle Regelung zur Übergangsrente will die Airline bis 2016 beibehalten, um ausreichend Zeit für Verhandlungen zu haben.

Cockpit hatte die Verhandlungen in der vergangenen Woche für gescheitert erklärt und Streiks angekündigt. Gestern kehrten die Kontrahenten an den Verhandlungstisch zurück. Eine Annäherung misslang. Lufthansa und Cockpit betonten ihre Bereitschaft zu weiteren Gesprächen. Voraussetzung sei aber ein diskussionsfähiges Angebot der Lufthansa, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Ziel der Lufthansa war es, bei dem Gespräch einen Fahrplan für die komplexen Tarifverhandlungen zu verschiedenen Themen zu vereinbaren. VC erwartete hingegen die Korrektur der vom Management bislang erhobenen Forderungen bei der Übergangsrente. Piloten wollten auch künftig selbstbestimmt in den Ruhestand gehen, sagte ein VC-Sprecher. Die Lufthansa-Forderungen bedeuteten jedoch „sozialen Kahlschlag“. Volkens kritisierte hingegen: „Es ist nicht realistisch, über ein neues Modell für eine zukunftsfähige Übergangsversorgung an einem einzigen Tag eine Einigung zu erzielen“. Dass es beim heutigen Streik bleibt, bezweifeln viele Experten. Der Streit um die Übergangsrente hatte bereits im April zum schärfsten Streik in der Lufthansa-Geschichte geführt. Rund 3800 Flüge fielen aus, betroffen waren an drei Tagen 425 000 Fluggäste.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen