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Wirtschaft

18. Oktober 2017 | 15:56 Uhr

Auf Plastik gebaut

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Lego gehen die Spielzeugsteine aus – mit weltweiten Millioneninvestitionen wollen die Dänen den eigenen Erfolg in den Griff bekommen

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 19:14 Uhr

Zur Bescherung dürfte es in diesem Jahr vielerorts lange Gesichter geben: Der Spielzeughersteller Lego kämpft mit Engpässen in der Produktion. Wenige Wochen vor dem Fest stehen die Chancen nach Konzernangaben schlecht, dass noch neue Aufträge rechtzeitig abgearbeitet werden können. „Wir sind im ersten Halbjahr sehr stark gewachsen“, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage. In lokaler Währung gerechnet stieg der Umsatz von Lego im ersten Halbjahr um 18 Prozent. Die Erwartungen des Spielzeugherstellers wurden damit übertroffen; und die Produktionskapazitäten an den Rand ihrer Möglichkeiten geführt. „Kurzfristig bedeutet das für uns, dass wir an der Grenze sind“, sagt die Sprecherin.

Es ist der vorläufige Höhepunkt eines rasanten Wiederaufstiegs, den Lego in den vergangenen elf Jahren mit seinen gelben Figuren und den genoppten Bauklötzchen geschafft hat. 2004 Stand das Unternehmen aus Billund noch kurz vor der Pleite, schrieb rote Zahlen. Dann holte Lego-Eigentümer Kjeld Kirk Kristiansen den ehemaligen McKinsey-Berater Jørgen Vig Knudstorp an die Spitze des Konzerns – als erstes Nicht-Familienmitglied in der Geschichte der Firma. Lego schrumpfte sich gesund, verabschiedete sich von allem, was nicht direkt mit den bunten Steinen zu tun hatte, setzte auf das digitale Zeitalter und vermarktete seine kleinen Helden über TV-Serien, Computerspiele und Kino-Filme wie zuletzt den „Lego Movie“. Nach nur acht Jahren stiegen die Dänen mit dieser Strategie gemessen am Umsatz zum zweitgrößten Spielzeughersteller der Welt auf und ließen den Konkurrenten Hasbro hinter sich. Im ersten Halbjahr 2014 erklomm Lego sogar den Thron der Branche und verwies einen schwächelnden US-Konzern namens Mattel, der für seine „Barbies“ und „Masters of the Universe“-Figuren bekannt ist, in die Schranken. Für das Gesamtjahr 2015 gelten Meldungen zu neuen Rekorden bei Umsatz und Gewinn aus Billund fast als sicher. 1,8 Milliarden Euro setzte der Konzern allein in der ersten Hälfte dieses Jahres um.

Um der Nachfrage Herr zu werden, stockt Lego seine Kapazitäten weltweit auf, hebt seine Investitionen an. Denn schon längst wird nicht mehr nur in Billund produziert und schon längst nicht mehr nur in Europa das dänische Spielzeug nachgefragt. Im chinesischen Jiaxiang stampften die Billunder eine Fabrik aus dem Boden, um die wachsende Nachfrage aus der Volksrepublik sowie Asien insgesamt zu bedienen. Noch in diesem Jahr soll die Erweiterung der Produktion in Mexiko auf den Weg gebracht werden, für die Lego einen dreistelligen Millionenbetrag in Euro bereitstellt. Das Personal in dem lateinamerikanischen Land soll dabei bis 2022 um 3000 Arbeiter aufgestockt und damit fast verdoppelt werden. 1600 neue Arbeitsplätze werden wiederum den Plänen nach bis 2020 in Ungarn entstehen, wo derzeit schon 2400 Menschen für den Hersteller arbeiten. Im dänischen Werk schließlich will Lego im kommenden Jahr einen Eurobetrag in zweistelliger Millionenhöhe investieren.

In allen Regionen wuchs Lego in der ersten Hälfte des Jahres zweistellig. Die große Nachfrage gehe über alle Produktgruppen hinweg, erklärt auch die Unternehmenssprecherin. Eltern macht sie dabei Hoffnung. „Wir werden weiterhin produzieren“, sagt sie. Bestellungen von Einzelhändlern, die dem Konzern bereits vorliegen, könnten noch pünktlich zum Fest abgearbeitet werden. Mit leeren Regalen muss somit wohl am Ende nicht gerechnet werden. Nur lässt sich womöglich nicht jeder Wunsch aus Plastiksteinen in diesem Jahr erfüllen.

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