Baugebiete : Asphalt statt Acker

Gewerbegebiete, Infrastrukturmaßnahmen und Baugebiete verdrängen in Schleswig-Holstein täglich Nutzflächen in einer Größe von 13 Fußballfeldern.  Montage: Nobis
Gewerbegebiete, Infrastrukturmaßnahmen und Baugebiete verdrängen in Schleswig-Holstein täglich Nutzflächen in einer Größe von 13 Fußballfeldern. Montage: Nobis

In Schleswig-Holstein verschwinden immer mehr Ackerflächen: Für Kartoffeln, Rüben und Mais stehen 2012 8000 Hektar weniger zur Verfügung - das sind 11.200 Fußballfelder.

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17. Oktober 2012, 11:10 Uhr

Wiesbaden/Kiel | Den Bauern in Schleswig-Holstein geht weiterhin das Land aus. Die landwirtschaftliche Nutzfläche im Norden ist im Laufe des vergangenen Jahres von 999.100 auf 991.900 Hektar zurückgegangen. Das entspricht der Größe von rund 11.200 Fußballfeldern.
Auch deutschlandweit gehen die Flächen, die von Bauern beackert werden, zurück. Wie das Statistische Bundesamt zum Welternährungstag mitteilt, dienten im Oktober noch 16,7 Millionen Hektar als landwirtschaftliche Nutzfläche. Im Vergleich zum Vorjahr ging sie um 37.000 Hektar zurück. Das entspricht in etwa der Größe Bremens. Seit 1995 sank die landwirtschaftliche Nutzfläche demnach mit 700.000 Hektar um vier Prozent. Auch die Langzeitentwicklung für Schleswig-Holstein zeigt - trotz einiger Abweichungen - nach unten. 1997 wurden noch 1.047.681 Hektar für den Anbau von Kartoffeln, Rüben, Mais und Raps genutzt.
13 Fußballfelder täglich
Wie kommt es zu diesem Rückgang? Aus dem Kieler Landwirtschaftsministerium hieß dazu am Montag, es könne keine seriöse Begründung gegeben werden. Für Experten ist die Sache dagegen klar: Gewerbegebiete, Infrastrukturmaßnahmen und Baugebiete verdrängen in Schleswig-Holstein täglich Nutzflächen in einer Größe von 13 Fußballfeldern. Gleichzeitig wachsen die Herausforderungen der Welternährung und der Energieversorgung.
Gerade die Anbaufläche von Silomais, der als Energiepflanze für Biogasanlagen genutzt wird, ist in Deutschland von rund 1,3 Millionen auf knapp 2,1 Millionen Hektar gestiegen. In Schleswig-Holstein nahm die Anbaufläche im laufenden Jahr zwar um sieben Prozent ab. Mais ist mit 181.000 Hektar aber weiterhin die zweithäufigste Ackerkultur des Landes. "Vor diesem Hintergrund wird der Aspekt der Lebensmittelknappheit ab adsurdum geführt", sagt Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund Nabu in Schleswig-Holstein. Er weist zudem den Vorwurf zurück, dass Ackerflächen durch die Schaffung von Ausgleichsflächen im Sinne des Naturschutzes verloren gingen. "Diese Flächen können zum Teil auch landwirtschaftlich genutzt werden", sagt Ludwichowski.
Trotz des Rückgangs an landwirtschaftlicher Nutzfläche fahren die deutschen Bauern dennoch größere Ernten ein. Die Erntemenge von Kartoffeln beispielsweise ist von 9,9 Millionen Tonnen im Jahr 1995 auf 10,6 Millionen Tonnen in diesem Jahr gestiegen. Bei Getreide blieb die Anbaufläche mit 6,5 Millionen Hektar im Wesentlichen gleich, die Landwirte holten aber in diesem Jahr mit 45 Millionen Tonnen fünf Millionen Tonnen mehr von den Äckern als 1995. Fortschritte in der Züchtung und optimierte Produktionsverfahren werden als Gründe genannt.

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