Metaller im Norden : Arbeitgeberverband Nordmetall: Ein Zehn-Stunden-Tag ist nicht genug

Ein Werftarbeiter auf einem Schiff-Neubau. /Symbolbild
Ein Werftarbeiter auf einem Schiff-Neubau. /Symbolbild

Arbeitgeber und Gewerkschaften streiten um gesetzliche Regelungen für Metallarbeiter – und um mehr Flexibilität im Job.

shz.de von
28. März 2017, 12:27 Uhr

Kiel/Hamburg | Ganz gleich, ob auf der Werft oder beim Bau einer Windkraftanlage: Für Metaller im Norden soll in Zukunft nicht mehr nach zehn Stunden Arbeit Schluss sein. Das wünscht sich zumindest der Arbeitgeberverband Nordmetall und plädiert dafür, die gesetzliche Höchstgrenze zu kippen. Auch die elf Stunden Ruhezeit sind den Arbeitgebern ein Dorn im Auge. „Die gesetzlichen Vorgaben für die Ruhezeiten und die tägliche Höchstarbeitszeit passen nicht mehr in das Handy- und Laptop-Zeitalter – wir brauchen jetzt ein Arbeitszeitrecht 4.0.“, sagt Nordmetall-Präsident Thomas Lambusch. Bei den Gewerkschaften läuten angesichts solcher Vorstöße die Alarmglocken.

Nordmetall beruft sich auf eine bundesweite Branchenumfrage des Emnid-Instituts. Demnach gaben 77 Prozent der Befragten an, durchaus zu mehr als zehn Stunden täglicher Arbeit bereit zu sein. Allerdings: Gut zwei Drittel (62 Prozent) aller Befragten würden das nur freiwillig machen, wenn sie es wollten. 15 Prozent auch auf Anordnung. Und immerhin jeder zweite Beschäftige (52 Prozent) kann sich vorstellen, die ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zu kürzen.

Auch die Gewerkschaften sehen Handlungsbedarf bei den Arbeitszeiten. Ihre Stoßrichtung ist allerdings eine andere – und die Nordmetall-Umfrage überzeugt sie wenig. „Die Beschäftigten sind nicht per se gegen Flexibilisierung. Sie darf aber nicht nur im Interesse der Unternehmen sein, sondern muss auch die Bedürfnisse der Beschäftigten berücksichtigen“, sagt Meinhard Geiken von der IG Metall Küste. „Uns geht es dabei auch um verbindliche Ansprüche, damit die Beschäftigten nicht von der Gnade der Arbeitgeber abhängig sind.“ Den Arbeitgebern der norddeutschen Metall- und Elektrobranche wirft Geiken hingegen vor, dass sie eine „Ausweitung der Arbeitszeiten um jeden Preis“ wollten – „ohne Rücksicht auf die Beschäftigten“.

Das sieht Lambusch anders. „Selbstverständlich stellt keine unserer Firmen die wöchentliche Höchstgrenze von 48 Stunden in Frage“, sagt er. Aber immer stärker seien es die Wünsche der Kunden, die entschieden, wie sich die Arbeit auf die einzelnen Tage verteile. „Es muss daher möglich sein, dass unsere Mitarbeiter an einem Tag auch einmal mehr als 10 Stunden arbeiten und dafür an einem anderen Tag der Woche später kommen oder früher gehen können.“

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sieht die längeren Arbeitszeiten an einzelnen Tagen allerdings kritisch. Sie führten zu einem deutlichen Anstieg des Unfallrisikos, schreibt die Behörde, die dem Bundesarbeitsministerium zugeordnet ist, auf ihrer Internetseite. Ab der neunten Stunde sei die Zunahme des Unfallrisikos demnach überproportional. Zudem komme es zu abnehmender Leistungsfähigkeit und gesundheitlichen Risiken für die Beschäftigten.

Der Vorschlag von Nordmetall kommt dabei inmitten einer Debatte um mehr Flexibilität bei der Arbeit – die nicht zuletzt auch von Gewerkschaften oft eingefordert wird. So geben nach der Nordmetall-Umfrage dann auch immerhin 48 Prozent der Befragten an, ihre tägliche Arbeitszeit kurzfristig an die persönlichen Bedürfnisse anpassen zu können. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gab an, dass es im Betrieb zulässig sei, während der Arbeitszeit private Angelegenheiten zu erledigen.

Dass die Arbeitszeit ein Thema ist, über das zu sprechen sein wird, sieht auch Sebastian Schulze, Geschäftsführer beim Unternehmensverband Nord. Dass es sich Betriebe auf Dauer erlauben könnten, nur Mehrarbeit und Flexibilität zu fordern, ohne diese auch zu bieten, glaubt er indes nicht. „Das ist kein einseitiges Geschäft“, sagt er. Aus seiner Sicht regulierten sich Mehrarbeit und Ausgleich letztlich von selbst. Schließlich müssten Arbeitgeber attraktiv für Fachkräfte sein.

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