Südfruchten noch exotisch : Aprikosen aus Buxtehude - «Die Ernte ist in vollem Gange» 

Aprikosen wachsen auf der Plantage von Peter Stechmann im Alten Land.  
Aprikosen wachsen auf der Plantage von Peter Stechmann im Alten Land.  

Der Klimawandel macht es möglich: Im Alten Land wachsen nicht nur Äpfel und Kirschen, sondern auch Pfirsiche und Aprikosen. Noch sind das Ausnahmen, aber Experten rechnen mit einem Anstieg.

shz.de von
24. Juli 2018, 12:10 Uhr

Was Peter Stechmann heute macht, wäre während seiner Lehre vor 34 Jahren unmöglich gewesen: In dritter Generation führt der Landwirt den familiären Obsthof in Buxtehude, und als Erster lässt er auf seinem Gelände Nektarinen und Aprikosen wachsen.

«Die Sonne reicht aus, damit die Früchte reif werden», sagt der Obstbauer. «Die Ernte ist in vollem Gange.» Noch sind es zwar Exoten. Aber diejenigen, die sich mit dem Anbau von Südfrüchten beschäftigten, sind überzeugt: Davon wird es künftig in Niedersachsen mehr geben.

«Wir haben einen großen Vorteil gegenüber den Anbaugebieten im Mittelmeerraum», sagt Stechmann. «Wir können reif ernten, das wirkt sich sehr positiv auf den Geschmack aus.» Etwa 80 Nektarinen- und 350 Aprikosenbäume stehen bei Stechmanns unter einem von ihm selbst entwickelten Ganzjahresdach aus Holz und Spezialfolie. Es schützt die Früchte vor Regen, aber auch vor Frost.

Es gebe zwar mittlerweile frosthärtere Sorten, aber: «Die Aprikose ist und bleibt eine südeuropäische Art», betont der Landwirt. Weil sie bereits im Februar zu treiben beginnt, können Nachtfröste ihr Blütenorgan zerstören.

Beim sogenannten geschützten Anbau kommen Folien, Dächer, Netze oder Gewächshäuser zum Einsatz. Dieser Trend ist aktuell im Alten Land der wohl größte und auffälligste. Das sagt Matthias Görgens vom Obstbauzentrum in Jork, das zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen gehört. Die Forschungs- und Beratungseinrichtung testet an mehr als 40 000 Bäumen den Anbau von rund 300 verschiedenen Sorten und gibt hiesigen Landwirten Empfehlungen für den Obstbau der Zukunft.

Wegen extremerer Wetterverhältnisse gingen die Betriebe dazu über, sich möglichst unabhängig von den äußeren Umständen zu machen, sagt der promovierte Gartenbauer. «Kirschen vertragen keinen Regen, Äpfel keinen Hagel. Beides wird mehr, daher stehen die Bäume unter Folien respektive Netzen.»

Der laut Görgens «zaghafte Trend» zu Südfrüchten im Alten Land ist auch eine Folge des Klimawandels. In den vergangenen drei Jahrzehnten sei die Durchschnittstemperatur in der Region um fast zwei Grad gestiegen», sagt er. «Daher können wir heute andere Arten anbauen.» Zwar handele es sich bei den Pfirsichbäumen im Alten Land noch um eine Anzahl im niedrigen vierstelligen Bereich. «Aber das können sicherlich mehr werden.»

Der Baumobsterhebung 2017 zufolge wachsen in Niedersachsen Aprikosen- und Pfirsichbäume auf einer Fläche von insgesamt vier Hektar. 15 Betriebe haben Aprikosen im Programm, 13 setzen auf Pfirsiche als Nischenobst. Im Großhandel kann man damit nicht mithalten. Zum Vergleich: Äpfel ernten 522 niedersächsische Obstbauern auf insgesamt 8089 Hektar.

Anbau-Experte Görgens sagt: Die Obstbauern müssen aufgrund des Klimawandels auch bei den altbekannten Arten umdenken. Sorten wie etwa Boskop oder Holsteiner Cox mögen die neue Wärme laut Görgens ganz und gar nicht. «Der Holsteiner Cox neigt dazu, aufgrund einer erhöhten Zuckerproduktion glasig zu werden. Dann leidet seine Stabilität.» Neue Arten anzubauen, ist auch eine langfristige wirtschaftliche Strategie der Obstbauern. «Die Jungen sind experimentierfreudig», sagt Bernd Eckhoff von der Fachgruppe Obstbau des Landesbauernverbands Niedersachsen. «Sie suchen sich Nischen, um sich von anderen abzusetzen.»

Es sei eine hohe Kunst, die neuen Arten zur Reife zu bringen. «Die Kulturführung von Früchten aus dem Mittelmeerraum ist ganz anders und sehr speziell», sagt Eckhoff. «Es gibt andere Krankheiten und andere Schädlinge. Mit all dem muss sich der Anbauer intensiv beschäftigen.» Und selbst intensives Ausprobieren reicht nicht immer aus, um Erfolg mit den neuen Arten zu haben.

Landwirt Torsten Block hat drei Jahre lang Wasser- und Honigmelonen in seinem Gewächshaus in Winsen/Luhe angebaut. «Wir hören auf mit den Melonen», sagt Block. Die Triebe werden bis zu vier Meter lang, entsprechend hoch müssten die Pflanzen gebunden werden. Liegen die Früchte am Boden, werden sie faulig. Genau das ist Block in diesem Jahr mit den Wassermelonen passiert. Er sagt: «Es lohnt sich einfach nicht für uns.»

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