Anleger-Protest gegen Banken

Senioren fühlen sich wegen fehlerhafter Beratung um ihre Altersabsicherung betrogen

shz.de von
19. Juni 2014, 18:12 Uhr

Demonstrationen sind nicht eben selten in Hamburgs Innenstadt. Aber die Gruppe, die gestern Nachmittag am Jungfernstieg mit Megaphon und Trillerpfeifen auf ihr Anliegen aufmerksam machte, fiel aus dem Rahmen. Das Durchschnittsalter der etwa 50 Protestierenden lag jenseits der 70, manche körperlich sichtlich geschwächt. Eine Demonstrantin ist mit Rollator gekommen, ein Gleichgesinnter ist sehbehindert. Einige der wütenden Demonstranten waren aus Schleswig-Holstein angereist, der Rest kam überwiegend aus Hamburg. Sie alle sind Anlageopfer diverser Banken und Emissionshäuser, die ihr Erspartes in Schiffsfonds investiert – und weitgehend verloren haben.

Alter und Gesundheitszustand der Empörten ist ein wichtiger Teil der Geschichte. Sie alle hatten gehofft, im Ruhestand und für Krankheit von ihrem Ersparten auskömmlich leben zu können. Doch sie alle haben ihr Geld in Schiffsfonds angelegt, die inzwischen pleite gegangen sind. Den Schwarzen Peter sehen die Demonstranten um den Neumünsteraner Peter Kleinjung bei den Banken, die ihnen vor knapp einem Jahrzehnt die Papiere als angeblich sichere Anlage verkauft hatten. „Ich habe über die Commerzbank 60 000 Euro in Schiffsfonds angelegt“, sagt Kleinjung. Nichts davon hat er bisher wiedergesehen. Und er fürchtet, dass es so bleiben könnte, wenn er und seine Leidensgenossen sich nicht lautstark und öffentlich wehren. „Die Banken reagieren nur auf Druck. Deshalb machen Kleinjung und die anderen nicht nur Lärm vor der Commerzbank, sondern auch vor der Warburgbank und beim Lloyd Fonds, der die nun wertlosen Papiere einst auf den Markt gebracht hatte.

„Wir vertreten 850 Geschädigte, 250 davon aus Schleswig-Holstein“, sagt Arne Heller, der die Gruppe juristisch vertritt. Insgesamt hätten diese 125 Millionen Euro in Schiffsbeteiligungen investiert. Bis zu 30 Prozent Provision hätten die Institute kassiert – „reine Piraterie“. In Kürze werde es eine zivilrechtliche Klage gegen den Fonds „LF 63“ des Lloyd-Fonds für den pleite gegangenen Frachter „MS Virginia“ geben, kündigt Heller an.

Gesprächsbereit zeigen sich die Commerzbanker nicht. Obwohl sie den Demonstranten zusagen, einen Vertreter vor die Tür zu schicken, lässt sich niemand blicken. „Eine Schweinerei“, schimpft Kleinjung – und kündigt die nächste Demo vor der Bankzentrale in Frankfurt an.

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