Wegen Betrugs : Anklage gegen Gründerin von Bluttest-Start-up Theranos

Elizabeth Holmes, Gründerin des gescheiterten Bluttest-Start-ups Theranos, spricht auf dem Fortune Global Forum in San Francisco. /AP/Archiv
Elizabeth Holmes, Gründerin des gescheiterten Bluttest-Start-ups Theranos, spricht auf dem Fortune Global Forum in San Francisco. /AP/Archiv

Elizabeth Holmes galt als Self-Made-Milliardärin, die Bluttests revolutioniert. Doch die Erfolgsgeschichte von ihrem Start-up Theranos platzte wie eine Seifenblase. Auf den Skandal folgt nun eine Betrugsanklage.

shz.de von
16. Juni 2018, 10:38 Uhr

Der einst gefeierten Gründerin des gescheiterten Bluttest-Start-ups Theranos, Elizabeth Holmes, wird in einer Anklage Betrug von Investoren und Patienten vorgeworfen.

Die US-Justiz bezichtigt Holmes und Theranos' Top-Manager Ramesh Balwani unter anderem, von Geldgebern mehr als 150 Millionen Dollar unter Vortäuschung falscher Tatsachen einkassiert zu haben. Gleichzeitig wurde am Freitag bekannt, dass Holmes nach dem Skandal den Chefposten bei Theranos aufgegeben hat.

Theranos hatte versprochen, Bluttests zu revolutionieren, weil mit der Technologie des Start-ups für Proben nur wenige Tropfen genügten. In einer der Finanzierungsrunden wurde die geheimniskrämerische Firma mit rund neun Milliarden Dollar bewertet. Damit war Holmes zumindest auf dem Papier rund 4,5 Milliarden Dollar schwer. Die heute 34-jährige Gründerin und Chefin wurde auf Magazin-Covern und Konferenzen als erfolgreiche Self-Made-Milliardärin präsentiert.

Die Erfolgsgeschichte platzte jedoch nach einem Bericht im «Wall Street Journal», in dem es unter Berufung auf frühere Mitarbeiter hieß, die Technologie von Theranos funktioniere nicht so recht und das Unternehmen habe für Blutproben oft konventionelle Geräte anderer Hersteller eingesetzt. Theranos wies dies zunächst zurück. Doch der Artikel von Oktober 2015 löste Untersuchungen aus, nach denen Theranos Lizenzen und Labor-Deals verlor und praktisch zusammenbrach.

Im März legte Holmes zivilrechtliche Betrugsvorwürfe der Börsenaufsicht SEC mit Zahlung einer Geldstrafe von 500 000 Dollar bei. Die Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft gingen jedoch weiter und führten jetzt zu der Anklage. Darin heißt es, Holmes und Balwani hätten von den Unzulänglichkeiten der Technologie gewusst und absichtlich Investoren und Patienten hinters Licht geführt. Nach Angaben früherer Mitarbeiter wurden Testergebnisse zum Teil gefälscht - oder die Proben heimlich auf Maschinen anderer Hersteller getestet.

Genauso seien potenziellen Geldgebern Umsätze von bis zu einer Milliarde Dollar in Aussicht gestellt worden, während Holmes und Balwani gewusst hätten, dass es bei wenigen hunderttausend Dollar bleiben würde. Kunden bekamen Ergebnisse mit starken Schwankungen. Die Theranos-Labore wurden nach Behörden-Untersuchungen dichtgemacht. Ein Grund für die Ungenauigkeit soll gewesen sein, dass Theranos zwar Maschinen anderer Firmen einsetzte, aber trotzdem kleinere Blutmengen einsammelte. Deshalb hätten die Proben verdünnt werden müssen.

Insgesamt holte sich Theranos bei Investoren rund 900 Millionen Dollar. Unter den Geldgebern von Theranos war auch der Besitzer des «Wall Street Journal», Rupert Murdoch. Der Medienmogul investierte privat rund 125 Millionen Dollar, von denen nach den Enthüllungen kaum etwas übrigbleiben dürfte. Theranos bekam auch Geld von der Besitzerfamilie hinter den Walmart-Supermärkten - mied aber klassische Start-up-Finanzierer, die zu viele Fragen gestellt hätten. Zugleich wollte Holmes vom Silicon-Valley-Mythos profitieren: Sie suchte den Vergleich mit Apple-Gründer Steve Jobs und trug dafür - wie er einst auch - schwarze Rollkragenpullover.

Der Verwaltungsrat der Firma war arm an Medizinexperten, aber gut gefüllt mit einflussreichen Figuren aus Washington wie den Ex-Außenministern Henry Kissinger und George Shultz sowie dem heutigen Verteidigungsminister James Mattis. Der Enkel von Shultz, der über seinen Großvater einen Job bei Theranos bekam, entdeckte schnell Unstimmigkeiten und wurde zu einem zentralen Informanten des «Wall Street Journals» und der Behörden.

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