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Entwicklungs- und Gesundheitsökonomie : Angus Deaton bekommt den Wirtschafts-Nobelpreis 2015

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Die Buchmacher sahen Amerikaner vorn, doch gewonnen hat ein gebürtiger Schotte.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2015 | 15:34 Uhr

Stockholm | Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft geht in diesem Jahr an den britischen Ökonomen Angus Deaton. Das teilte die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mit. Der 69-jährige Forscher beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Entwicklungs- und Gesundheitsökonomie. Der gebürtige Schotte lehrt an der US-Eliteuniversität Princeton.

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaft gehört nicht zu den klassischen Nobelpreisen. Er wurde erst 1968 von der Schwedischen Notenbank zur Erinnerung an Alfred Nobel gestiftet und 1969 erstmals vergeben. Ursprünglich hatte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) lediglich Preise in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Frieden vorgesehen. Der auch wegen der nachträglichen Stiftung umstrittene Wirtschaftspreis wird von der Nobel-Stiftung offiziell nicht als Nobelpreis eingestuft. Er heißt daher „Preis der Reichsbank Schwedens für die ökonomische Wissenschaft zum Andenken an Alfred Nobel“.

Deaton bekommt den Preis „für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlfahrt“, sagte Göran Hansson, Generalsekretär der Akademie. „Der diesjährige Preis handelt von Konsum im Großen und Kleinen.“ Die Auszeichnung ist mit acht Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert.

Wer ist Angus Deaton?

Der vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler kam am 19. Oktober 1945 in Edinburgh zur Welt, sein schottischer Akzent ist aber kaum noch wahrnehmbar. Eine hartnäckige Skepsis und einen Widerwillen, Glück zu bemerken oder zuzugeben, habe er wohl seiner Herkunft zu verdanken, sagte Deaton, der häufig Fliege trägt, einmal in einem Interview.

Seine Schwester und er waren demnach die ersten in der Familie, die auf die Universität durften. Er hat sowohl die britische als auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und zwei erwachsene Kinder.

In Princeton lehrte Deaton bereits 1979/80 als Gastdozent. Weitere Stationen waren die renommierte englische Universität Cambridge, wo er 1974 promovierte, und Bristol. 2009 wurde er zum Präsidenten der traditionsreichen American Economic Association gewählt.

Worüber forscht Angus Deaton?

Geld macht glücklich - aber nur bis zu einem bestimmten Jahreseinkommen. Unter anderem diese Erkenntnis hat die Welt dem neuesten Wirtschafts-Nobelpreisträger Angus Deaton zu verdanken. Armut hingegen mache Menschen sowohl unzufrieden als auch unglücklich, fand der heute 69-Jährige im Jahr 2010 zusammen mit Kollegen heraus.

Deaton forscht und lehrt an der amerikanischen Elite-Universität Princeton. Auch heute noch sind es die Zusammenhänge von wirtschaftlicher Lage und Konsum mit Gesundheit und gefühltem Glück, die ihn beschäftigen. Einen Schwerpunkt legt er auf das Schwellenland Indien und die Frage, wie Armut sich wissenschaftlich fassen und messen lässt. In Arbeit ist seinem Lebenslauf zufolge eine Schrift darüber, welche Rolle Glücksmessung in der Politik spielen könnte.

 

Am häufigsten sind bislang US-Ökonomen mit der Auszeichnung geehrt worden. 2014 hatte aber der Franzose Jean Tirole für seine Forschungen über Marktmacht und Regulierung den Wirtschafts-Nobelpreis erhalten. Nur einmal ging der Preis in den vergangenen Jahrzehnten an eine Frau: 2009 an die US-amerikanische Umwelt-Ökonomin Elinor Ostrom. Unter den bisherigen Preisträgern gab es zudem mit dem Bonner Spieltheoretiker Reinhard Selten nur einen deutschen Forscher.

Wirtschaftsexperten deutscher Institute hatten auf andere Preisträger getippt.

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