Wohnungsmangel in SH : Andreas Breitner fordert die Abkehr vom Einfamilienhaus

Andreas Breitner
Andreas Breitner

Der Chef des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen will die „Renaissance des Geschosswohnungsbaus“.

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23. März 2017, 11:41 Uhr

Kiel | Unstrittig ist, dass Schleswig-Holstein viele neue Wohnungen braucht – mindestens 154.000 bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts. Strittig ist jedoch, wie und wo sie gebaut werden sollen. Die Landesregierung rückt inzwischen von den eigenen Planungsvorgaben ab, die ursprünglich Hausbau-Wildwuchs auf dem flachen Land verhindern sollten. Und der Chef des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner (Foto), fordert sogar „eine Renaissance des Geschosswohnungsbaus und eine Abkehr vom Einfamilienhaus.“ Die jetzige Politik laufe nicht nur ins Leere, sondern langfristig bei anhaltender Landflucht auch in den Leerstand, teilt er mit.

Überdurchschnittlich hoch ist der Neubaubedarf in den Oberzentren Kiel, Neumünster und Flensburg sowie im Mittelzentrum Wedel und im Hamburger Umland. Der geringste Neubaubedarf an Geschosswohnungen besteht dagegen im Umland der Mittelzentren von Mölln und Eckernförde sowie in den zentrumsfernen Gemeinden des Kreises Pinneberg.

Dass die Landesregierung ihre eigenen Vorgaben aufweicht, wonach Kommunen abseits der großen Entwicklungsachsen bis 2025 nur um zehn Prozent wachsen dürfen (Stichtag 2009), stößt auf geteiltes Echo. Selbst die Grünen sind irritiert. „Momentan haben nur 30 der insgesamt 900 betroffenen Gemeinden ihr Maximum ausgeschöpft. Für die Lösung des Wohnungsproblems ist die Aufhebung der Maximalgrenze also nicht der entscheidende Hebel“, meint der Grünen-Abgeordnete Detlef Matthiessen. Er warnt seit Langem davor, Baugebiete in Orten auszuweisen, die keinen Bahnhof, keine Schule und keine Apotheke mehr haben.

Bei der Siedlungsentwicklung gelte es, sich auf Schwerpunkte zu konzentrieren: „Wir brauchen Wohnungen dort, wo sie knapp sind, nicht überall!“, lautet seine Empfehlung. Knapp sind sie schon jetzt in den großen Städten sowie im Hamburger Umland. Und dort ist die Lage eher schlimmer als besser, wie eine Untersuchung des Innenministeriums zeigt. Auf dem Land wird hingegen der demografische Wandel trotz Migrantenzuzugs mittelfristig für abnehmende Einwohnerzahlen sorgen. Nachverdichtung in den Städten, wie sie der Eigentümerverband Haus und Grund fordert, löst das Problem laut Breitner nicht . „Nur Geschosswohnungsbau kann die kurzfristig erforderliche Stückzahl erfüllen.“

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