Logistik : Amazon Fresh: Online-Händler will frische Lebensmittel mit DHL ausliefern

Frische Lebensmittel von Amazon könnte bald DHL bringen.
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Frische Lebensmittel von Amazon könnte bald DHL bringen.

Startet Amazon bald den Versand von frischen Lebensmitteln in Deutschland? Die Anzeichen verdichten sich.

shz.de von
22. März 2017, 10:41 Uhr

Berlin | Der US-Onlinehändler wolle im April in Berlin loslegen und habe sich dazu mit der Post-Tochter DHL verbündet, die die Waren exklusiv ausliefern werde, berichtete das „Handelsblatt“ in seiner Mittwochausgabe unter Berufung auf Branchenkreise. Der Lieferdienst solle dann „so schnell wie möglich“ bundesweit angeboten werden. Ein Sprecher der Deutschen Post DHL lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab. Amazon Deutschland war auf Nachfrage nicht zu erreichen.

Bislang spüren Supermärkte und Drogeriemarktketten nur wenig von der Internetkonkurrenz. Nur etwa ein Prozent der Branchenumsätze von rund 170 Milliarden Euro in der Branche werden bislang online gemacht.

In US-Metropolen oder in London können Kunden bereits bei Amazon frische Lebensmittel ordern. Seit Monaten wird auch über einen Marktstart in Deutschland spekuliert. Das Branchenfachblatt „Lebensmittel Zeitung“ hatte unlängst von einem Start in Berlin im April berichtet. Fraglich war jedoch, wie die Lieferungen vonstatten gehen sollten, nachdem Amazon seine eigenen Logistikaktivitäten ausgebaut hatte. Die Post wiederum bietet mit ihrem Online-Shop Allyouneed Fresh bereits seit längerem Lebensmittel an.

Das Online-Wachstum zieht an: Im vergangenen Jahr steigerte der Online-Handel nach Angaben des Branchenverbandes bevh seine Umsätze mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs um satte 26,7 Prozent auf 932 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Internethandel insgesamt legte „nur“ um 12,5 Prozent zu.

 

Auch wenn die meisten Verbraucher noch davor zurückschrecken, Hackfleisch oder Joghurt im Internet zu bestellen, können die Online-Händler doch schon in einigen Randsegementen des Lebensmittelhandels punkten – etwa beim Tierfutter. Der bayerische Online-Händler Zooplus steigerte im vergangenen Jahr seine Umsätze europaweit um 28 Prozent auf 908 Millionen Euro. Rund ein Viertel davon dürfte auf Deutschland entfallen.

Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist jedoch überzeugt: „Das Jahr 2017 wird das Jahr des Dammbruchs im Online-Handel mit Lebensmitteln, und Amazon wird der Dammbrecher.“ Die Entwicklung werde wahrscheinlich ähnlich verlaufen wie in anderen Branchen. „Jahr für Jahr werden mehr Umsätze ins Internet abwandern. Am Anfang wird es ein Rinnsal sein, am Ende ein reißender Strom“, meint Heinemann.

Auch immer mehr deutsche Supermarktketten stärken ihr Online-Standbein

Online-Vorreiter unter deutschen Handelsketten ist Rewe. Der Kölner Handelsriese bietet bereits in rund 75 Städten die Möglichkeit, auch frische Lebensmittel – von der Bio-Banane bis zum Rinderhackfleisch – im Internet zu ordern und dann nach Hause geliefert zu bekommen.

Aktuell weitet das Unternehmen außerdem seinen „Abholservice“ aus, bei dem Waren per Internet bestellt und anschließend fertig verpackt im Laden abgeholt werden können.

Konkurrent Edeka, bislang bei frischen Produkten vor allem über die Online-Angebote selbstständiger Händler im Netz präsent, sicherte sich bei der Tengelmann-Übernahme auch den Lebensmittel-Lieferdienst Bringmeister. Der ist bisher in Berlin und München aktiv. „Wir wollen das Konzept natürlich weiterentwickeln“, betont ein Unternehmenssprecher. Außerdem will Edeka in Zusammenarbeit mit der Bahn schon bald Abholstationen für online bestellte Waren an Bahnhöfen testen. Auch Kaufland startete schon einen Lieferdienst in Berlin.

Noch bleibt den Händlern nach Ansicht von Heinemann eine Gnadenfrist: „Der Markt für Lebensmittel ist riesig. Und es wird sehr lange dauern, bis die Online-Händler einen Marktanteil von zehn Prozent oder mehr erreichen.“ Doch gebe es für die Händler keinen Grund, sich in Sicherheit zu wiegen. Denn bislang hätten sie Amazon wenig entgegenzusetzen. Während Rewe und Co. noch mit der Logistik kämpften, punkte der Internetgigant mit einer gigantischen Warenvielfalt und Kundenbindung via Amazon Prime.

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