Altkanzlers Träumerei

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02. Dezember 2014, 11:39 Uhr

Jeder Mensch würde gern etwas sein, was er nicht geworden ist oder zumindest etwas können, was er partout nicht kann. Tausende Träume ließen sich aufzählen. Vernünftige und verrückte, erreichbare und unerreichbare. Von Gerhard Schröder ist bekannt, dass er in wilden Juso-Jahren am Gitter des Bonner Kanzler-Bungalows rüttelte und rief: Ich will da rein. Als er drin war, wollte er erst freiwillig raus, dann zog es ihn doch wieder zurück. Nun hat er mitgeteilt, dass er mit der Politik abgeschlossen habe und ein zufriedenes Leben führe. Neu ist das nicht. Neu ist aber, dass er einen unerfüllten Wunsch hat: Er möchte malen können. So wie sein Freund Markus Lüpertz. Er wünscht sich seine Bilder in einem Museum, und die Besucher würden sagen: Sieh an, der Schröder, dieser Tausendsassa, kann nicht nur Agenda 2010, sondern auch malen. Doch dazu wird es nicht kommen, denn ungewohnt selbstkritisch hat der Altkanzler eingeräumt, dass ihn die Gnade der Kunst nicht erreicht hat, obwohl sein Freund Joseph Beuys – der mit der Fettecke – versichert habe, in jedem Menschen stecke ein Künstler. Statt am Zaun hätte Schröder an einer Museumstür rütteln sollen.

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