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Quartalsbericht : Als wäre nichts gewesen: VW verkauft mehr Autos und steigert Gewinn kräftig

vom
Aus der Onlineredaktion

Diesel-Krise, Kartellvorwürfe, war da nicht was? Von wegen. Der Autobauer verdient 3 Milliarden Euro mehr.

shz.de von
erstellt am 27.Jul.2017 | 11:47 Uhr

Wolfsburg | Trotz aller Widrigkeiten rund um Abgasskandal und Kartellverdacht hat Europas größter Autobauer Volkswagen seine Gewinne im ersten Halbjahr fast verdoppelt. Unter dem Strich stand ein Gewinn von knapp 6,6 Milliarden Euro – nach rund 3,6 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Dax-Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Am Vorabend hatte der VW-Vorstand den Aufsichtsrat über den Stand bezüglich der möglichen Kartellvorwürfe informiert – VW ist sich allerdings keiner illegalen Absprachen bewusst.

Die Autohersteller sind die Zugpferde der deutschen Wirtschaft. Aber immer neue Berichte über mögliche Abgas-Manipulationen, Differenzen zwischen Abgaswerten auf dem Prüfstand und im realen Verkehr sowie eine breite Debatte um Fahrverbote für ältere Diesel-Modelle bringen die Branche in Verruf. Wie es nach den Kartellvorwürfen weitergeht ist noch offen.

Nach außen schwieg das Unternehmen nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zu dem Verdacht gegen deutsche Autobauer, hält den Austausch zwischen Konzernen zu technischen Fragen aber für „weltweit üblich“. Zur Frage von Gesprächen unter den Herstellern teilte VW mit, davon profitierten auch Kunden, „weil innovative Lösungen schneller verfügbar und preiswerter sind als aufwendigere Einzelentwicklungen“. Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche in verschiedenen Fragen mutmaßlich abgesprochen haben sollen.

Angesichts guter Verkaufszahlen peilt der Autobauer im Gesamtjahr nun mehr Umsatz als zuvor geplant an: Die Konzernerlöse dürften 2017 um mehr als 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Vorher war VW von bis zu 4 Prozent ausgegangen.

Die Wolfsburger steigerten im zweiten Quartal den Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent auf 59,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern kletterte auf mehr als das Doppelte und betrug 4,55 Milliarden Euro. Vor einem Jahr hatte die Bewältigung der Dieselaffäre mit Milliardenbelastungen zu Buche geschlagen. Unter dem Strich verdiente Volkswagen in dem Zeitraum rund 3,2 Milliarden Euro – fast dreimal so viel wie vor Jahresfrist. Im ersten Halbjahr verdoppelte sich das Ergebnis vor Steuern nahezu auf 9,0 (Vorjahreszeitraum: 4,8) Milliarden Euro.

Stark präsentierte sich die Pkw-Kernmarke VW mit einer Verdoppelung des operativen Ergebnisses auf 1,8 Milliarden Euro. Die Tochter Audi hielt mit 2,7 Milliarden Euro ihr operatives Ergebnis des Vorjahreszeitraums. Gewinnbringer Porsche erzielte operativ 2,1 Milliarden Euro – nach 1,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Bei der Ergebnisprognose für 2017 allerdings bleibt Finanzchef Frank Witter vorsichtig. Vom Umsatz sollten insgesamt vor Zinsen und Steuern 6 bis 7 Prozent als operativer Gewinn hängen bleiben. Nach dem ersten Halbjahr steht die Marge bereits bei 7,7 Prozent. „Das Ergebnis wurde durch ein Verkaufsplus beflügelt“, sagte Witter. „Ich bin überzeugt: Wir sind für den Wandel der Automobilbranche und für die Zukunftsthemen finanziell gerüstet.“

Konzernchef Matthias Müller pflichtete bei: „Das beachtliche Ergebnis zum Halbjahr sowie die gute Entwicklung der Auslieferungen im Juni sind eine Bestätigung dafür, dass der Volkswagen-Konzern wieder auf dem richtigen Kurs ist.“ VW sei dankbar für das wachsende Vertrauen der Kunden.

Trotzdem könnte VW – und auch den anderen Herstellern – noch Ungemach drohen: Trotz geplanter Nachbesserungen bei der Abgasreinigung von Diesel-Autos hält Bundesumweltministerin Barbara Hendricks weiterhin Fahrverbote für möglich. Diese würden notwendig, wenn die Grenzwerte für Stickoxide weiter überschritten würden – auch wenn sie das letzte Mittel seien, sagte die SPD-Politikerin vor einem Besuch beim Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg. In einem ersten Schritt werde die Politik den Automobilkonzernen nur aufgeben können, die Software der Autos zu verbessern. Damit seien „nur Teilverbesserungen“ möglich – „und damit kann man nicht ausschließen, dass es trotzdem zu Fahrverboten kommen kann“.

 

Hendricks hat gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Autohersteller und die Politik für den 2. August zu einem Diesel-Gipfel geladen, auf dem es um Nachbesserungen gehen soll. Dort werde es neben Software-Updates auch um die „Formulierung von Anforderungen für den zweiten Schritt“ gehen, sagte sie – also Nachrüstungen am Motor. Der Verdacht illegaler Kartellabsprachen stehe nicht auf der Agenda des Treffens, sagte Hendricks. Sie würden aber „die Atmosphäre der Debatte“ prägen.

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