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Preissenkungen bei Discountern : Aldi lässt die Milchpreise purzeln

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Aldi drückt die Milchpreise und auch Molkereiprodukte und Fleisch sind betroffen. Bauern und Umweltschützer sind besorgt.

shz.de von
erstellt am 04.Nov.2014 | 11:56 Uhr

Milch und weitere Grundnahrungsmittel werden billiger. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd senkten gestern die Preise für Frischmilch und H-Milch um jeweils zehn Cent je Liter. Auch bei einer Reihe von Molkereiprodukten wie Quark, Sahne und Kondensmilch sowie Fleischwaren wie Hackfleisch setzen die beiden Schwesterunternehmen den Rotstift an. Aldi-Konkurrenten kündigten an, nachziehen zu wollen. Landwirte betrachten die Preisentwicklung mit großer Sorge. Außerdem übten Tier- und Umweltschützer heftige Kritik an den zum Teil prozentual zweistelligen Preisabschlägen bei Aldi.

Aldi gilt im deutschen Lebensmittelhandel als Schrittmacher. An den Preisen der Discounter orientieren sich erfahrungsgemäß auch große Supermarktketten in ihrer untersten Preislage mit Eigenmarken-Produkten. Konkurrent Lidl reagierte prompt: „Lidl Deutschland vollzieht die von einem Mitbewerber ausgelöste Preissenkung ebenfalls nach und folgt damit dem Gesamtmarkt“, hieß es in einer Mitteilung. Ein Sprecher von Rewe und Penny kündigte an, man werde mit den „jeweiligen Preiseinstiegseigenmarken auf die vom Wettbewerb ausgelöste Preisrunde bei Milch und Fleisch reagieren“. Auch Edeka und die Edeka-Tochter Netto-Markendiscount bestätigten Preissenkungen und teilten mit, Einkaufsvorteile an die Kunden weitergeben zu wollen.

Der Deutsche Bauernverband bezeichnete es als „nicht akzeptabel, wenn Molkereien und Lebensmittelhandel als einzige Antwort auf die derzeitige Marktsituation in die alten Verhaltensmuster der Billigpreispolitik zurückfallen.“ Dies widerspreche auch deren Verantwortung gegenüber den Milchbauern und der Milchproduktion in Deutschland. Landesbauernverbands-Sprecher Klaus Dahmke bedauerte die Situation und begründete sie mit der Lage auf dem deutschen Milchmarkt. „Der Absatzmarkt im Osten ist uns aufgrund der politischen Entwicklungen versperrt, die Milch fließt nicht ab, das konnte vorher niemand wissen.“ Gleichzeitig würden die Bauern sich auf das Auslaufen der Milchquote im kommenden März vorbereiten. „Da werden derzeit die Anlagen modernisiert und die Bestände an Kühen aufgestockt.“ Auch dies trage zum jetzigen Überangebot bei.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter fordert von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) einen Runden Tisch. „Wir steuern wieder auf eine Krise zu“, sagte der Verbandssprecher Hans Foldenauer. Der Verband geht davon aus, dass der Auszahlungspreis der Molkereien für die Milchviehhalter in Deutschland Richtung 30 Cent je Kilogramm Rohmilch sinken wird. Aktuell betrage er schätzungsweise 33 Cent je Kilogramm Rohmilch. Greenpeace forderte faire Preise. „Die Anforderung an Qualität und Nachhaltigkeit müssen erfüllt werden“, teilte die Umweltschutzorganisation mit. Der Deutsche Tierschutzbund sprach von einer Preis-Dumping-Strategie auf dem Rücken der Tiere und Landwirte.

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